Schiedsgericht entscheidet über Schnitten und Zuckerln

24. April 2004, 12:16
27 Postings

ÖVP und SPÖ streiten über Wahlgeschenke, Termine und Plakate

Wien – Der Präsidentschaftswahlkampf beschäftigt erneut das Schiedsgericht. Die ÖVP wittert eine Verletzung des Fairnessabkommens, weil die SPÖ Mannerschnitten und Zuckerln ("Fischer Heinz Friends") verteilt habe. Das seien Gratisgeschenke, daher untersagt, heißt es in ihrem Antrag ans Schiedsgericht.

Kommenden Mittwoch werden sich Ludwig Adamovich und Co mit der Zuckerlfrage beschäftigen. Die SPÖ ist sich keiner Schuld bewusst: "Von den Mannerschnitten wissen wir nichts, und die Minzbonbons haben wir nur intern verteilt, nicht als Wahlgeschenk", will SPÖ- Wahlkampfleiter Norbert Darabos keine Süßigkeiten unters Wahlvolk gebracht haben. Auch er hat Klage beim Schiedsgericht eingereicht: wegen überklebten SPÖ-Plakaten, trotz Karwoche geschalteten ÖVP-Werbespots auf dem Wiener Sender 88,6, zwei Anti-Fischer-Internet- Homepages und jenen "res publica"-Inseraten, in denen Heinz Fischer vorgehalten wird, er ginge immer aufs Klo, wenn es brenzlig wird.

Bisher hat das Schiedsgericht einmal getagt: Am 2. März hatte es auf Antrag der SPÖ darüber zu entscheiden, ob die ÖVP einen Slogan geklaut hat. Kein formaler Bruch des Fairness-Abkommens, so das damalige Urteil.

Auch wenn sie bei der SPÖ Süßes nicht gern sieht – die ÖVP verteilt selber Schokoeier, allerdings nur an Journalisten. "Benita's Gewinner-Ei" nennen die schwarzen Witzbolde ihr Osterpackage aus gefüllten Schokoeiern – und einem Gipsei, das garantiert jedes Eierpecken gewinnt. Die Verwendung dieses Harteis wäre allerdings, gesteht die ÖVP gleich selbst ein, "ein Verstoß gegen das Fairness- abkommen".

Ganz und gar fair ist hingegen Fischers Terminvorschlag für das FPÖ-Kandidatenhearing. Gerne komme er nach Kärnten, leider ginge das aber ausschließlich am 17. April, ließ er am Mittwoch wissen. Genau an diesem Tag reist Landeshauptmann Jörg Haider mit Vizekanzler Hubert Gorbach aber nach Libyen. Die Chancen für ein gemeinsamen Wahlkampfbild Fischer/Haider stehen also schlecht.

"Schwer wiegende terminliche Gründe" bewegten ÖVP- Kandidatin Benita Ferrero- Waldner auch dazu, eine für den 13. April auf Ö1 geplante Radiokonfrontation mit Fischer abzusagen. Nicht zum ersten Mal weicht Ferrero aus. Sie verweigerte auch ein gemeinsames Hearing für die Grünen. (eli, to/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.4.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Schnitten und Zuckerl als weiterer Höhepunkt des Wahlkampfs rund um das Amt des Bundespräsidenten

Share if you care.