Die Renaissance der Börse Tokio

27. Juli 2004, 17:41
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60 Prozent Plus in einem Jahr

Tokio – Wohl wenige große Börsen der Welt haben eine Berg- und Talfahrt hinter sich wie die Aktienbörse in Tokio. Am 29. Dezember 1989 kratzte der Index der 225 wichtigsten Werte, der Nikkei 225, nach einem bis dahin beispiellosen Aufstieg an der Marke von 40.000 Punkten. Die Aktien hatten so wie auch die Immobilien einen gewaltigen Boom erlebt und wurden zu astronomischen Preisen gehandelt – lange, bevor die "New- Economy-Blase" im Rest der Welt überhaupt ein Thema wurde.

Investoren ziehen Geld ab

Hand in Hand mit dem Platzen der Immobilienspekulationen zogen die Investoren – zumeist gezwungenermaßen – ihr Geld wieder aus dem Aktienmarkt ab. Das Resultat: bereits zehn Monate später hatte der Nikkei 50 Prozent verloren und notierte bei 20.000 Punkten. Doch das Kursgemetzel ging weiter und brachte in den Jahren darauf Japans führendes Börsenbarometer bis auf das Niveau von 7000 Punkten hinunter. Immer wieder prophezeiten Analysten und Aktienhändler die Wiedergeburt der einst an der Kapitalisierung gemessen größten Börse der Welt. Doch erst in den vergangenen Monaten wendete sich das Blatt nachhaltig: Am 28. April 2003 notierte der Nikkei noch mit 7603 Punkten. Nicht ganz ein Jahr später hält er bei 12.092 Zählern – ein stolzer Zuwachs von 60 Prozent. Ein Zuwachs, der allerdings bereits wieder Warnlampen leuchten lässt. Denn die Gewinne der japanischen Unternehmen steigen zwar wieder – aber lange nicht so schnell wie die Aktienkurse. Das hat zu einem durchschnittlichen Kurs- Gewinn-Verhältnis (KGV) von bereits knapp 120 geführt – mehr als das Dreifache eines noch akzeptablen Niveaus.

Doch vor allem Fonds und Anleger pumpen weiter Geld in den Markt: Die Fondsvolumina der meisten Japanfonds haben sich in den letzten Monaten verdoppelt bis verdreifacht. Eine zwischenzeitliche Korrektur scheint angebracht – doch eine Halbierung der Kurse wie 1990 scheint eher ausgeschlossen. Dazu sind die Rahmenbedingungen der japanischen Wirtschaft zu gut. (Michael Moravec, Der Standard, Printausgabe, 09.04.2004)

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