US-Publizist MacArthur: "Arroganz der Bush-Regierung so groß wie vor einem Jahr"

13. April 2004, 11:02
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Herausgeber des "Harpers Magazine": Kerry gehorcht denselben Grundsätzen wie Bush - "Messianische Außenpolitik" geht auf Wilson zurück

Washington/Berlin - Der Herausgeber des US-Intellektuellenblattes "Harpers Magazine", John MacArthur, befürchtet, dass im Irak "sehr viel mehr Menschen sterben werden, ehe wir verstehen, dass wir die Lehren aus dem Vietnamkrieg zu schnell und vollständig vergessen haben". "Wir denken, wir hätten die von Gott gegebene Verantwortung, die Welt zu verbessern, selbst wenn es bedeutet, dass wir während dessen die Welt schlechter machen", sagte der Publizist in einem Interview mit der deutschen "tageszeitung" (taz) (Donnerstag-Ausgabe).

"Die Arroganz der Bush-Regierung ist so groß wie vor einem Jahr. Sie macht jetzt bloß bessere PR; sie versucht es aussehen zu lassen, als ob sie kooperieren wollte, aber sie will keine Zusammenarbeit. Die US-Regierung hat nicht die Absicht, im Irak richtige Wahlen abzuhalten, und nicht die Absicht, die Macht der UNO zu übergeben. Sie reden nur von Kooperation, um die Kritik hier in den USA abzumildern. Denn diese Verweigerung der internationalen Zusammenarbeit verängstigt mittlerweile die Leute", so MacArthur.

Präsident George W. Bush habe sich bei seinem Versuch, den Irak-Krieg zu rechtfertigen, ausdrücklich auf die Ideen (Präsident) Woodrow Wilsons (1913-21) bezogen. "Demnach machen wir, die USA, die Welt sicher für Demokratien, demnach ist es auch unsere moralische Verpflichtung, alle unterdrückten Völker zu befreien. Es ist die Rhetorik Wilsons, die Bushs Berater inspiriert - eine messianische Außenpolitik, die äußerst gefährlich ist. (...) Ich würde mir wünschen, dass die Europäer eine grundlegend andere Außenpolitik entwickelten, einen anderen Blick auf die Welt. Dann könnten die Amerikaner sehen, dass es einen alternativen Ansatz geben kann. Der fehlt derzeit in den USA. Ich glaube auch nicht, dass dies mit (Senator) John Kerry (dem voraussichtlichen demokratischen Bush-Herausforderer) anders würde."

"Kerry würde sagen: Unsere Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Es darf nicht so aussehen, als würden wir im Irak davonlaufen. Und auch Kerry ist ein guter Wilsonianer. Er gehorcht denselben Grundsätzen wie Bush, auch wenn Bush der Radikale ist. Es gibt in den USA nur einen kleinen Zirkel von außenpolitischen Beratern. Keiner von denen denkt jenseits der eingefahrenen Bahnen", sagte MacArthur, der über den Golfkrieg 1991 ein viel beachtetes Buch "Schlacht der Lügen" publiziert hatte. (APA)

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