Ferrero-Waldner: "Verstehe Portugiesisch und Brasilianisch"

16. April 2004, 15:13
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ÖVP-Kandidatin präsentiert sich vor Auslandskorrespondenten

Wien - Sie wolle eine "Volkspräsidentin" sein, sich nicht in die Tagespolitik einmischen, aber in Grundsatzfragen Position beziehen. Sie wolle alle Österreicher, ob alt, jung, Frau oder Mann ansprechen, sie trete als überparteiliche Kandidatin, wenn auch mit Unterstützung der ÖVP an, wolle daher Wähler aller Parteien ansprechen: so präsentierte sich Außenministerin Benita Ferrero-Waldner am Donnerstag der Auslandspresse als ÖVP-Präsidentschaftskandidatin. Und sie wolle Tore sowohl nach außen als auch nach innen öffnen sowie auf Amtsvilla und Sommersitz, aber auch Pomp bei Staatsbesuchen verzichten. "Das beste Protokoll ist das Protokoll, das man nicht merkt - es ist eine gute Organisation."

101

Auf von Auslandskorrespondenten auf Deutsch gestellte Fragen antwortete sie umgehend in Französisch und Spanisch. Aufgelegt die Frage, wenn sie mit 101 Staatschefs in deren Sprache rede, welche Fremdsprachen sie denn dann nun spreche: "Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch. Und ich verstehe Portugiesisch, Brasilianisch (in Brasilien spricht man ebenfalls Portugiesisch, Anm.) und Katalanisch."

Dezentralisierung im Kosovo

Inhaltlich ging das Frage- und Antwortspiel kreuz und quer durch den außen- und innenpolitischen Gemüsegarten. Was sie etwa mit der Dezentralisierung im Kosovo gemeint habe? Hier schwebe ihr eine Dezentralisierung auf Gemeindeebene vor, ähnlich wie in Mazedonien. Was sie zur Teilnahme Österreichs an mobilen Kampfeinheiten der EU sagen würde? Hier verwies sie auf die in der Verfassung vorgesehene Beistandsgarantie, die Österreich von Fall zu Fall eine eigene Entscheidung ermögliche.

Menschenrechte?

Ob sie den saudiarabischen Kronprinz bei dessen Österreich-Besuch vergangene Woche auf das Thema Menschenrechte angesprochen habe? Sie habe den Prinzen "in seiner Residenz im Hotel Imperial" aufgesucht und habe herausgestrichen, dass es gelte, die demokratischen Bemühungen in Saudiarabien zu verstärken.

Keine Zeit für die Kultusgemeinde

Ob sie gutheiße, dass in Beirut eine Konferenz unter Mitwirkung des Außenamts stattgefunden habe, an der sich auch Hisbollah-Vertreter beteiligt hätten? Die Konferenz sei in keiner Weise vom Außenministerium inhaltlich gestaltet worden. Ob hier ein Zusammenhang bestehe, dass es seitens der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in Wien kein Einverständnis für einen Auftritt der ÖVP-Kandidatin im Gemeindezentrum gegeben habe? "Das hängt allein damit zusammen, dass mein Terminkalender sehr voll ist."

Rückzug über Ostern

Ob es keinen Osterfrieden gebe, wurde die ÖVP-Kandidatin unter Verweis auf die jüngste Anrufung des Schiedsgerichts gefragt. Doch, denn das sei im Fairness-Abkommen ja auch so vorgesehen. Sie werde sich in den kommenden Tagen zurückziehen, um wieder Kräfte zu sammeln, kündigte Ferrero-Waldner an. Um dann nach einer Dreiviertel Stunde des Fragen Beantwortens zur nächsten Pressekonferenz, diesmal im Parlament und zu europapolitischen Fragen, zu eilen. (APA)

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