Gruft von Salzburgs Erzbischof Wolf Dietrich geschändet

14. April 2004, 11:12
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Münzen wurden gestohlen, Vase und Kreuze des Mausoleums wurden zerbrochen

Salzburg - Unbekannte haben in der Stadt Salzburg das Grab des im Jahre 1617 verstorbenen Salzburger Fürsterzbischof Wolf Dietrich geschändet. Sie drangen in das Mausoleum des denkmalgeschützten Sebastiansfriedhof in der Linzergasse ein, stiegen in die Gruft und versuchten, das Grab zu öffnen - was jedoch nicht gelang. Das berichteten die "Salzburger Nachrichten" in ihrer Ausgabe am Donnerstag.

In der vergangenen Woche hatten Angehörige der Priesterbruderschaft St. Petrus, die den Friedhof verwaltet, den Vorfall entdeckt, erklärte Judith Schmidt vom Bundesdenkmalamt. Die Täter rissen vermutlich während der Nacht, wo der Friedhof abgesperrt ist, ein schmiedeisernes Gitter aus der Verankerung. Mit Hilfe einer Leiter und eines Seils dürften sie in die Gruft gelangt sein.

Münzen aus Gruft gestohlen

Die unbekannten Täter haben vermutlich auch eine größere Anzahl von Münzen gestohlen, die von den Besuchern der Grabstätte in dem Zeitraum von Oktober 2003 bis Ende März 2004 in die Gruft geworfen worden waren. Zudem zerbrachen die Vandalen eine Vase und zwei Kreuze, die sich an der Wand des Mausoleums befunden hatten, teilte die Polizeidirektion Salzburg heute, Donnerstag mit. Die Sachbeschädigung hatte die Priesterschaft am 29. März bei der Polizei angezeigt. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur.

Okkultismus

Als Hintergrund für den Vandalenakt wird Okkultismus oder Satanismus vermutet. Die Priesterbruderschaft wollte sich vergewissern, ob mit dem Grab alles in Ordnung sei und ließ den Sarg öffnen. Dabei machten sie eine bemerkenswerte Entdeckung. Den Leichnam umhüllte ein Plastiksack, die Knochen des Erzbischofs waren von Schimmel befallen.

Nach Information des Bundesdenkmalamtes dürfte der Plastiksack beim Umbetten der sterblichen Überreste Wolf Dietrichs in den sechziger oder siebziger Jahren vergessen worden sein. Jetzt sollen die Knochen konserviert werden. Für kommende Woche ist am Friedhof ein Lokalaugenschein geplant, um die Höhe des Schadens festzustellen.

Unter der Regentschaft von Wolf Dietrich von Raitenau (er war von 1587 bis 1612 Fürsterzbischof von Salzburg, Anm.) wurden unter anderem die Salzburger Residenz und das Schloss Mirabell erbaut. Er weihte auch den Sebastiansfriedhof, auf dem der Vater und die Witwe des weltweit berühmten Salzburger Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart bestattet sind. (APA)

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