Wissen, wie der Hase färbt

8. April 2004, 18:00
posten

Die Anton Schimek KG sorgt seit über 50 Jahren mit Farben und Pulvern dafür, dass zu Ostern kein Ei dem anderen gleicht

Bislang fand man zwar keine eindeutigen Beweise für die Existenz des Osterhasen, doch es gibt glaubwürdige Zeugen: zum Beispiel Gertraud Friedl und Karin Parda - die arbeiten, wie sie hartnäckig beteuern, seit vielen Jahren für den langohrigen Eierboten. In der Anton Schimek KG in Wien-Liesing werden nämlich Eiermalfarben, Eierpickerln, Eierrubbel-Bilder, Eierfärbestäbchen und andere Ostereierfeatures produziert. Dass sich der österliche Mümmelmann beim Besuch des Unternehmens partout nicht blicken lässt, liegt laut Friedl daran, dass er schon um 13 Uhr Schluss macht. Ihr Lächeln kommt rüber wie die Bitte um Verständnis.

Die Stätte ihres Werkens findet man am Ende einer schmalen Gasse im 23. Bezirk, ein Stück hinter dem Bahnhof, wo sich Fuchs und Osterhase gute Nacht sagen. Im Backsteingebäude der einstigen Zuckerlfabrik Schefczik, dessen Fenster ostergrasgrün eingerahmt sind, ist die Taktzahl in den vorösterlichen Tagen erhöht, aber nicht arg. Im Verwaltungstrakt, einem kleinen Zimmer im Hinterhof des ältesten Hauses von Liesing, sitzen Frau Friedl und Frau Parda auskunftswillig am Schreibtisch. In Sachen Interieur scheinen die zwei PCs die einzigen Gegenstände zu sein, die seit dem Gründungsjahr 1949 einziehen durften.

Die beiden Damen sind hier Mädchen für alles: Einkauf, Administration, Geschäfte machen, Bescheid wissen. Sie sind mehr als Manager. Außerdem arbeiten bei Schimek ein Stockwerk höher noch zwei Damen, die zwischen Katzen-und Hasenpostern, Ansichtskarten aus aller Welt und allerlei Zimmergrünzeug verpacken und etikettieren. Als Fünften im Bunde gibt's dann auch einen Mann fürs Grobe, er ist zuständig für die Produktion und der eigentliche Hahn im Osterkorb, denn Mitarbeiter Nr. 6 ist im Außendienst unterwegs. Gut 800.000 Euro werden umgesetzt, kommt der Osterhase mit dem Liefern nicht nach, hilft ein Botendienst, die gerade in diesen Tagen dringend benötigten Couleurs innerhalb von 24 Stunden nach ganz Österreich zu expedieren. Ausgeliefert wird ferner nach Italien, Slowenien, Kroatien, Finnland und sogar in den Libanon. "Dieser Kunde", so Frau Parda, ordert schon im September. Konkurrenz gibt's hauptsächlich aus Deutschland, am österreichischen Markt nasche, so Gertraud Friedl, nur ein Mitbewerber aus Wien-Simmering mit.

Außer dem liebenswürdigen und klassischen Osterschnickschnack erzeugt man bei Schimek auch Lacke, Holzbeizen, Dochte, Färbetabletten für Textilien und Lebensmittelfarben in Pulverform. "Bei Letzterem sind wir die Einzigen", will Frau Parda gesagt haben. Auch dass die Farben umweltfreundlich und ungiftig sind. "Aber das ist alles nicht so spannend", meint Frau Friedl, die sich auf die gelegentlich gestellte Frage, was sie beruflich mache, auf ihre Dienste für den Osterhasen beschränkt. Alles in allem macht das Geschäft mit dem bunten Eierschmuck 40 Prozent des Gesamtumsatzes aus, die Lacke etc. bringen die restlichen 60 Prozent. "Früher war's genau umgekehrt", erklärt Frau Parda, und bleibt trotzdem zuversichtlich, schließlich sei wieder ein leichter Aufwärtstrend zu spüren. "Die Leute besinnen sich wieder verstärkt auf Traditionen", meint sie. Dennoch weiß man auch in der Ostereierfarbenbranche, dass die Leute immer weniger Zeit für alles haben. Auch was die Ambition in Sachen Osterschmuck betrifft.

"Viele fahren zu Ostern weg, den Kindern muss man heutzutage mit ganz anderen Geschenken wie etwa einem Gameboy aufwarten, und die industriell vorgefärbten Eier erledigen den Rest", so Gertraud Friedl, die von Unternehmen weiß, in denen 18.000 Eier pro Stunde ihre Farbe wechseln. Dass diese, wie Frau Friedl weiter berichtet, zum Teil bereits Monate vor Ostern mittels Dampf gefärbt würden, ist eine andere Geschichte. Allerdings eine, die einem schon die Lust am Eierpecken verderben könnte. Dann schon lieber selbst färben und ran an Eier, frisch aus den Ostertagen, von denen man einst annahm, sie würden vor allerlei Krankheiten, Hexerei, Blitzschlag und sonst was schützen.

Die Masse ist die Sache der Frau Friedl und der Frau Parda nicht. Globalisierung scheint im Hinterhof der Anton Schimek KG im 23. Wiener Gemeindebezirk ein Rohrkrepierer zu sein. Hier schnappt ihre Falle nicht zu, noch nicht. Auch dass vor kurzem ein schöner Auftrag von Manufactum, dem Versandhaus mit dem Slogan "Es gibt sie noch, die guten Dinge", in die Binsen ging, nehmen die beiden gelassen.

Auch kurz vor Ostern scheint es der Osterhase ruhig anzugehen

Bei Schimek setzt man in jeder Hinsicht auf Nostalgie, nicht nur in Sachen Etiketten und Sortiment, auch die Maschinen sind spannend anzusehen und so alt, dass man nicht einmal mehr Ersatzteile für sie bekommt. In der Ecke der kleinen Fabrik faucht ein alter Gasofen, ansonsten ist es still in den Gemäuern. Auch kurz vor Ostern scheint es der Osterhase einigermaßen ruhig anzugehen, ist er doch auch schon ein alter Hase, der längerfristig auch Gameboy und Co ein hübsch gefärbtes Ei legen wird. Warum der Osterhase übrigens ein Hase und nicht etwa ein Eierbär ist, das wissen auch die Damen von der Schimek KG nicht. Nachgefragt bei Fachleuten erfährt man, dass der Hase das Tier der Liebesgöttin Aphrodite sowie der germanischen Erdgöttin Holda darstellt. Er ist nicht nur Götterbote, er ist auch - wie das Ei - ein Zeichen für Leben und Fruchtbarkeit. In Byzanz galt der Hase in der Tiersymbolik als Zeichen für Christus. Einer der ersten Belege für den österlichen Hasendienst stammt aus dem Jahre 1678 von Georg Franck, einem Medizinprofessor aus Heidelberg. Das kommt zeitlich gut hin, wird der Besucher beim Schimek doch von einer steinernen Statue des heiligen Leonhard aus dem Jahre 1694 begrüßt. (DER STANDARD/rondo/Michael Hausenblas/09/04/2004)

Anton Schimek KG
Fröhlichgasse 42
1235 Wien
Tel. 01/865 95-8
info
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.