Paris Hilton

15. April 2004, 19:04
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Reisen zu Paris Osterzeit - Reisezeit. Der Zufall wollte diesmal, dass diese Kolumne dem Hilton Paris gewidmet ist. Gibt es etwas Mitreißenderes, als im neuen Kleid in der Lobby eines flockenweich mit Persern ausgelegten Grand Hotels zu lungern - mit der britischen Vogue oder mit einer aus dem Flieger stibitzten Gala? Da kann man dann nicht umhin, über Paris Hilton zu stolpern, wie sie gerade in der Provinz fürs Fernsehen Kühe milkt.

Die feinen Händchen triefen vor Melkfett, die Augen strahlen, und die High Heels - ach! Nun kommt ein SMS von Jürgen, der meint, Paris Hilton sei sein großes Idol und der einzige Grund, weshalb er gerne eine Frau sein möchte. Dem muss sofort widersprochen werden: Für mich wäre Paris Hilton der einzige Grund, weshalb ich ein Mann sein möchte. Als Hillbilly verkleidet würde ich auf Wiesen herumstehen und warten, dass ich mit Paris Hilton, gequält von Provinz-Ennui, einen Streit über die Agrarkrise vom Viehzaun breche. Worauf wir uns binnen kurzem zwischen Kuhfladen wälzen würden. Oder ich würde Yogalehrer und versuche vier Mal in der Woche, ihrer vom Schicksal benachteiligten Schwester darüber hinwegzuhelfen, dass sie nur den ärmlichen Vornamen Nicky bekommen hat.

Jedenfalls darf man heutzutage in der Lobby des Pariser Hilton sehr froh sein, dass es Paris Hilton gibt, denn sonst wäre wenig los. Paris hätte es sich ja auch einfacher machen können in ihrem kurzen, langbeinigen Leben und anstatt fleißig an sich selbst zu arbeiten, hätte sie ja auch die Elisabeth Gürtler vom Hilton-Hotel werden können. Oder sie hätte tagein, tagaus in irgendeiner Pariser Hotellobby herumsitzen können. Und Gala lesen.

Bloß - was würde ohne sie da drin stehen? Gähnend langweilige PR von Leuten, denen ihr PR-Berater empfohlen hat, sich scheiden zu lassen? "Ich liebe dich, David-Schätzchen, aber mein PR-Berater empfiehlt, dass wir uns scheiden lassen." "Ich liebe dich auch, Victoria, aber nur so kommen wir wieder in die Gala." "Ja, David-Schätzchen, lassen wir uns scheiden. Die Kinder sollen es einmal besser haben als wir." "Victoria-Darling, ich ruf' jetzt Ethan an, der lässt sich bestimmt gerne mit dir erwischen." "Oh, der freut sich bestimmt, David. Der war auch schon lang nicht mehr in der Gala."

Ich erblicke jetzt einige Lobbyisten in der österlich geschmückten Lobby - leider nicht Paris, sondern Wien, und auch nicht im Hilton. Lobbyisten sind im Gegensatz zu Paris Hilton keine Selbstdarsteller, sondern Klischee-Darsteller. Sie machen mitunter auch PR, aber ich fürchte, diese PR besteht darin, dass man damit keinesfalls auffällt. Hat man ein Image-Problem und ruft einen solchen PR-Mann an, dann wird der einen so konsensfähig bügeln, dass man bestenfalls PR in der Vatikan-News bekommt als "Tugendbold des Monats" oder "Miss Dezent". Aber nie in der Gala. Sie wäre ja sonst auch viel zu dick.
Ihre Cosima Reif, Zufallssexkolumnistin
(DER STANDARD/rondo/09/04/2004)

Von Cosima Reif

mailto:zufall
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