Bremen: Brandanschlag nach Theaterstück

16. April 2004, 21:14
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Pastorenhaus als Ziel rechter Gegner von Kresnik-Inszenierung

Bremen - Vermutlich als Protest gegen die umstrittene Bremer Theaterinszenierung "Die Zehn Gebote" haben unbekannte Täter am Mittwoch einen Brandanschlag auf das Haus einer Pastorenfamilie in Bremen verübt. Das Ehepaar erlitt nach Polizeiangaben leichte Rauchvergiftungen, die drei Kinder im Alter von zwei, fünf und sieben Jahren blieben unverletzt. Zuvor habe es bereits zwei Anschläge auf das Haus der Gemeinde-Pastorin gegeben, sagte ein Polizeisprecher.

Die Pastorin arbeitet wie Hauptpastor Bernd Klingbeil-Jahr in der Friedenskirche, in der das Stück von Johann Kresnik aufgeführt worden war. Die Inszenierung hatte unter anderem wegen Nacktszenen in der Kirche Proteste in der Bevölkerung ausgelöst.

Laut Polizei war am frühen Mittwochmorgen ein Molotowcocktail durch ein Erkerfenster ins Wohnzimmer geflogen und hatte unter anderem ein Sofa entzündet. Ein Nachbar habe einen Mann weglaufen sehen. Schon vor einigen Wochen hätten Unbekannte "Kirchenschänder" an die Fassade geschmiert. Wenig später sei ein Pflasterstein gegen das Wohnzimmerfenster geschlagen, ohne es zu durchbrechen. An dem Stein hing ein Zettel: "Jagt die Pharisäer aus dem Tempel". Hinweise auf die Täter gebe es bislang nicht.

Das umstrittene Kresnik-Stück sollte ursprünglich im Bremer Dom aufgeführt werden. Nach anonymen Drohungen und heftigen Protesten von Kirchenmitgliedern hatte Bremens größte Gemeinde die Aufführung im Dom verboten. Daraufhin hatte sich die Friedensgemeinde als Ausweichspielort angeboten. Die Welle von Protesten auch dort ebbte nach der Premiere im Jänner aber nicht ab. Noch Ende Februar berichtete Pastor Klingbeil-Jahr von Drohbriefen und anonymen Anrufen. Die Proteste kämen aus dem christlich-fundamentalistischen und rechtsextremen Lager, sagte er. (APA/dpa)

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