Granatopfer: Unterschenkel amputiert und Auge verloren

9. April 2004, 22:14
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Wiener versuchte gefundenen Sprengsatz zu entschärfen - beim Anbohren zündete das Relikt - 18- Jährige starb

Wien - Jenem 21-Jährigen, der beim Hantieren mit einer Panzergranate am Mittwoch schwerst verletzt wurde, mussten am Donnerstag beide Unterschenkel amputiert werden. Das teilte das AKH mit. Auch das rechte Auge konnte nicht gerettet werden, beim linken wurde ein Teil des Glaskörpers entfernt.

Seit gestern habe sich an dem Zustand von Markus K. nichts geändert, so eine Sprecherin des AKH. Unklar sei noch, ob sich Infektionen gebildet haben. K. war verletzt worden, als er versuchte, auf eigene Faust eine Panzergranate aus dem Zweiten Weltkrieg zu entschärfen. Als er das Geschoss anbohrte, detonierte es. Seine 18- jährige Freundin Daniela P. wurde dabei getötet.

Der Patient wird an der Intensivstation der Universitätsklinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin künstlich beatmet. Weitere Operationen sind notwendig, so das AKH.

In der Steiermark gefunden

Wie Mag. Andreas Krajcsy vom Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) schilderte, hatte der 21-Jährige das Kriegsrelikt in der Steiermark gefunden und versucht, dieses in seiner Wohnung in der Luzegasse in Wien-Simmering gemeinsam mit seiner Freundin zu "delaborieren". Das Geschoss mit 8,8 Zentimetern Durchmesser detonierte dabei und tötete die 18-Jährige.

Nur wenige Deka Sprengstoff

Bei dem Sprengsatz handelte es sich nur um das Geschoss, erklärte der Beamte. Der etwa 80 Zentimeter lange, zugehörige Triebsatz sei nicht dabei gewesen. Optisch ähnle das einer "überdimensionalen Gewehrkugel". Im Zündsatz hätten sich nur "sechs bis acht Deka Sprengstoff" gefunden, sagte er. Der Mann habe das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg erst am Montag im steirischen Mürzzuschlag gefunden. Auch etwa zehn bis 15 Gewehrpatronen, die ebenfalls von dort stammen, wurden in der Wohnung sichergestellt.

Sammlerleidenschaft und Leichtsinn

Ein politischer Hintergrund, etwa aus dem rechtsextremen Milieu, liege nicht vor, betonte Krajcsy. Der junge Mann sei nur am Geschoss selbst interessiert gewesen, weshalb er dieses auch entschärfen wollte. Der Unfall habe sich aus "Sammlerleidenschaft, gepaart mit unglaublichem Leichtsinn" ereignet: "Das Mädchen hat gehalten und er hat gebohrt."

Schülerin starb sofort

Seine Freundin, eine Schülerin aus Winzendorf in Niederösterreich (Bezirk Wiener Neustadt), starb an Ort und Stelle. Ihr wurden bei der Explosion mehrere Gliedmaßen weggerissen. Beide wurden aus dem Badezimmer, wo sie mit dem Sprengsatz hantierten, ins Vorzimmer geschleudert. (APA)

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    Die Explosion erfolgte in einem Wohnblock in Simmering

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    Ersten Angaben zufolge hatte ein 21-jähriger Mieter Kriegsrelikte gesammelt.

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