Bundesbank-Chef zeigt Stehvermögen

7. April 2004, 20:21
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Ernst Welteke macht seinen Rücktritt von der Entscheidung des Bundesbankvorstandes und den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abhängig

Ernst Welteke macht seinen Rücktritt wegen der "Adlon-Affäre" von der Entscheidung des Bundesbankvorstandes und den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abhängig

Berlin/Frankfurt - Rauswerfen kann die deutsche Bundesregierung den Bundesbankpräsidenten nicht. Zumindest nicht direkt. Bei der Auswahl eines Nachfolgers für den wegen der Affäre um einen von der Dresdner Bank bezahlten Aufenthalt im Berliner Luxushotel Adlon unter Beschuss geratenen Ernst Welteke hat sie dagegen kraft Gesetzes alle Hebel in der Hand.

Also beschränkte sich die rot-grüne Regierung am Mittwoch darauf, Welteke indirekt aufzufordern, sich seiner Verantwortung zu stellen. "In diesem Zusammenhang ist es verständlich und berechtigt, wenn sich Welteke öffentlich selbst die Frage stellt, ob er diese öffentliche Debatte seiner Familie, sich selbst, seinem Amt und der Institution Bundesbank noch zumuten kann", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg unter Bezugnahme auf ein ARD-Interview, in dem sich Welteke selbst ähnlich geäußert hatte.

Eichel: "Zügige und umfassenden Aufklärung"

Finanzminister Hans Eichel, Parteigänger und einst als Hessischer Wirtschaftsminister Weltekes Vorgesetzter, appellierte an den Bundesbankvorstand, zu einer "zügigen und umfassenden Aufklärung" der Vorwürfe beizutragen. Welteke selbst nahm an der Sitzung des achtköpfigen Gremiums nicht teil.

Seinen Rücktritt machte er von der Entscheidung seiner Vorstandskollegen und dem Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abhängig. "Ich gehe davon aus, dass ich in meinem Leben nie etwas getan habe, was meine Unabhängigkeit und meine Amtsführung hier und in früheren Ämtern hätte beeinträchtigen können", sagte der 61-Jährige zum ZDF.

Regierung sucht bereits Nachfolger

Anderen Quellen zufolge sucht die Regierung bereits intensiv nach einem Nachfolger. Als Kandidaten wurden Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser und Weltekes Stellvertreter Jürgen Stark genannt.

Mit "institutioneller Kontaktpflege" begründete Nationalbankgouverneur Klaus Liebscher eine Opernball-Einladung, der Welteke und seine Gattin im März 2000 gefolgt waren. "Notenbank lädt Notenbank", sagte Liebscher. (DER STANDARD Printausgabe, 08.04.2004, Reuters, dpa, AFP, APA)

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    Finanzminister Hans Eichel wünscht Bundesbank-Präsident Ernst Welteke vermutlich weit weg.

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