Mit Dorfgerichten zur Versöhnung

9. April 2004, 19:15
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Gacacas als Hilfe für Justiz

Mehr als 100.000 Verdächtige wurden nach 1994 insgesamt verhaftet und warten auf einen Prozess. Die ruandesische Justiz ist völlig überfordert, deshalb erinnerte man sich an die Gacaca-Gerichte. Mit diesen traditionellen Dorfgerichten wurden früher etwa Viehdiebstähle geschlichtet. Täter und Opfer werden einander gegenübergestellt, damit sie sich versöhnen können. Pilotphasen der Ga¸ca¸cas wurden 2002 gestartet und umfassen zehn Prozent der Gerichtsbezirke. Nun soll das System auf das ganze Land ausgedehnt werden.

Die Angeklagten werden je nach Schwere der Tat in Kategorien eingeteilt. Das Raster reicht von Planern und Anführern (Kategorie I) über Mitläufer (Kategorie II) bis hin zu Plünderern (Kategorie III). Vor den Ga¸ca¸cas werden nur die Kategorien II und III behandelt. Kategorie I wird von konventionellen Gerichten beurteilt, die Drahtzieher des Genozids müssen sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda im tansanischen Arusha verantworten. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2004)

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