IV-Fritz: Rufschädigende Obdachlosigkeit

11. April 2004, 16:47
33 Postings

Generalsekretär der Industriellenvereinigung: Asylwerber auf Straße gefährden Wirtschaftsstandort - Mit Kommentar

Wien - Lorenz Fritz, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), befürchtet "Rufschädigung" für Österreich. Dass "jetzt, in der Osterwoche" von Tag zu Tag mehr Asylwerber auf der Straße stehen, sei eine "unmögliche Situation", meint er im Gespräch mit dem STANDARD.

"Wie will Österreich als Wirtschaftsstandort attraktiv sein, wenn . . . der Eindruck entsteht, dass wir monatelang zu keiner Lösung bei der Unterbringung von 1000 Flüchtlingen finden?", heißt es in einer IV-Aussendung vom Mittwoch. Neben der "menschlichen Problematik" gehe es nämlich auch um die "Zukunft des Standorts" Österreich: Der Bedarf an qualifizierten Kräften werde mittelfristig nicht im Inland allein zu decken sein. Also sei eine "soziale und aktive Migrationspolitik" angesagt, die "den Umgang mit Asylwerbern einschließt".

Aus diesem Grund, so Fritz, seien jetzt die Landeshauptleute aufgerufen, sich zu Wort zu melden, zumal sie in drei Wochen, ab 1. Mai, ohnehin für Flüchtlingsquartiere zuständig sein würden. Zudem sei ein "Machtwort der Regierung" nötig: Da bisher statt einer Lösung des Problems nur ein "Hin und Her der Kompetenzen" zwischen Innenministerium, NGOs und Ländern zu beobachten sei, müsse Minister Ernst Strasser "unterstützt" werden.

Doch dieser winkt ab. Man "freue" sich über die Stellungnahme Fritz' und mache überdies darauf aufmerksam, "dass jedes Flüchtlingsquartier, das von der Industriellenvereinigung zur Verfügung gestellt wird, finanzielle Unterstützung des Ministeriums erhalten werde", hieß es am Mittwoch aus dem Büro Strassers.

Die Zahl obdachloser Asylwerber im Osten des Bundesgebiets stieg an diesem Tag indes weiter an: Nach der Caritas ging auch die evangelische Diakonie in Wien dazu über, Hilfesuchende, für die kein Schlafplatz aufzutreiben war, zum Innenministerium und zum Bundesasylamt zu schicken. Man teile den Menschen mit "wer für ihre Sicherheit letztendlich zuständig ist", erläuterte Diakoniedirektor Michael Chalupka.

Natürlich, so Chalupka, versuche man weiterhin "unterzubringen, wo immer es geht": Doch die NGO-Kapazitäten seien schon seit Wochen erschöpft. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.4.2004)

Von Irene Brickner

Kommentar

Brisanter Mahnruf

Share if you care.