Kunsthändler im Glück

13. April 2004, 12:05
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Geglückter Relaunch der Messe für Kunst und Antiquitäten in der Residenz Salzburg

Salzburg - Endlich ist es auch bis in die heimische, elitär-anheimelnde Welt des Kunsthandels vorgedrungen: Der Akt des Kaufens basiert nicht nur auf Vernunftskalkül oder Sammlerwille. Zunehmend wird er aus dem Bauch heraus vollzogen. Das bedarf eines Weckrufes, sonst verliert sich die Kauflust beim Anblick langweiliger Produktpräsentationen und blasierter Aussteller völlig. Veranstalter und Messebeirat machten gemeinsame Sache, tradierte Strukturen aufzubrechen. Neue Teppiche, stoffbespannte Wände oder ein neues Messelogo fungierten dabei als i-Tüpfelchen. Freundliche Nasen in einem zeitgemäßen Umfeld sollten die Kauflust entflammen. Und sie taten es.

Gleich zur Vernissage, und sie tun es - nach Sondieren und Informationsgesprächen - dieser Tage noch. Die erste Bilanz ist fast so euphorisch wie die Stimmung unter den Ausstellern. "Zwei Faistauer, zwei Egners", benennt Giese die jüngsten Käufe, "in Privatbesitz wechselten Bilder von Egger-Lienz, Walde - und Felix Albrecht Hartas Stillleben mit Skulpturen von 1913 in das Museum Carolino Augusteum", ergänzt sein jüngerer Kollege Wienerroither. Besonders lustvoll ging's im ehemaligen erzbischöflichen Schlafzimmer zu. Kovacek verführte gekonnt und entledigte sich Arbeiten von Egner, Prachensky oder Laskes Grünmarkt in Salzburg (6500 Euro). Tierisches von Bresslern-Roth und Kuhnert lockte bei Petra Kern (Galerie "G") und in der Sektion Zeitgenössisches Arbeiten von Weiler (Thoman) oder Lassnig (Galerie bei der Albertina).

Das erstmals in Salzburg vertretene Gebiet der Ikonen stößt bei Stefan Brenske (München) auf sehr gute Resonanz, bereits am Eröffnungsabend und mit dem Verkauf einer Jahresikone russischer Provenienz; das mit an die 100 Heiligenfiguren bevölkerte Tafelbild aus dem 18. Jahrhundert wechselte für 20.000 Euro den Besitzer.

Unter den anderen Neuzugängen herrscht ebenfalls Zufriedenheit. Noch verhalten bei Uwe Dobler (Augsburg) und seinem überaus gelungene Standinterieur: Auf einer katalanischen Pagenbank aus dem 18. Jahrhundert sind französische Kinderstühle mit 100 Jahre älterem und herrlich verschlissenem Gobelinbezug arrangiert, schräg dahinter hängt noch ein Paar vergoldeter Holzluster, Neapel um 1800, sie wurden an den österreichischen Handel abgegeben. In das Händlerglück mischt sich bei Christian Eduard Franke (Bamberg) Erstaunen über die Fachkenntnis der Besucher , und man gab die ersten Stücke an solche aus der Schweiz und Deutschland ab.

Viel versprechend läuft es für Simon Weber-Unger, wo eine Prozessionsfigur (18. Jh.) und Blumenmodelle nach Deutschland und in die USA abwanderten. Beim Kunsthaus Wiesinger wechselten Barockmöbel und französische Tischlerkunst den Besitzer, der Kunsthandel Runge gab einen oberösterreichischen Reiterschrank von 1785 gleich zu Messebeginn weiter, D&S ist um einen Tabernakel ärmer, und auch Kollege Tazl lieferte schon aus. Ansehnlich wie stets die Nachfrage beim Jugendstil, Bel Etage entpuppte sich als begehrter Sessellieferant, konkret zehn Hoffmann-Exemplare sowie Loos-Versionen. Patrick Kovacs tat es mit den Sitzmaschinen gleich und bediente einen deutschen Sammler mit einem Herrenzimmer der Zagreber Loos-Schule (28.000).

Nur einer der 41 Händler kam erst gar nicht mit Verkaufserwartungen: Machold Rare Violins will mit vier lieblos ausgestellten, dafür raren Musikinstrumenten bloß repräsentieren. Die angekündigte, fünf Millionen teure Stradivari ist nicht darunter, sie wird die nächsten 14 Tage von einem Musiker testgespielt. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2004)

Von
Olga Kronsteiner
  • Arnold Clementschitsch, "Poloreiter" von 1932, für 72.000 Euro bei Wilfried Magnet
    foto: galerie magnet

    Arnold Clementschitsch, "Poloreiter" von 1932, für 72.000 Euro bei Wilfried Magnet

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