Kopf des Tages: Karen Hughes, der Mund des Präsidenten

8. April 2004, 18:08
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Bushs Medienberaterin ist die Frau fürs "Normale" im Weißen Haus

"Karen Hughes is back!" Diese Freudenbotschaft für das Weiße Haus ist zwar etwas verfrüht, denn die ehemalige Medienberaterin von George W. Bush, die das Weiße Haus vor zwei Jahren verließ und nach Texas zurückkehrte, um sich ihrer Familie zu widmen, wird erst Mitte August als gut bezahlte Mitarbeiterin - ihr Gehalt wird etwa 15.000 Dollar pro Monat betragen - in den Wahlkampf für ihren ehemaligen Boss einsteigen.

In der Zwischenzeit rührt sie jedoch bereits eifrig die Propagandatrommel für den derzeit arg belagerten Präsidenten. In einer sechswöchigen PR-Tour für ihr neuestes Buch "Ten Minutes from Normal" nimmt sie jede Gelegenheit wahr, Intelligenz und menschliche Qualitäten von George W. Bush hervorzukehren. Er sei nicht nur "wunderbar", "bescheiden", "anständig und nachdenklich", sondern habe auch eine "laserartige Fähigkeit, ein Thema bis zu seinem Kern herauszukristallisieren".

Der Titel des Buches stammt von einem Zugschaffner während des letzten Wahlkampfes, der über Lautsprecher mitteilte, der Zug sei nur mehr "zehn Minuten von Normal", einer Kleinstadt in Illinois, entfernt. Dies werde der Titel ihres Buches, erklärte Hughes damals, denn in der Politik sei eben alles vom Normalen entfernt.

Die über 1,80 Meter große Texanerin Karen Hughes mit Schuhgröße 44 ragte schon seit jeher aus der Schar der Mitarbeiter von George W. Bush hervor: Die ehemalige Fernsehreporterin und Leiterin der republikanischen Partei in Texas wurde bereits 1994 als Mediendirektorin bei Bushs Gouverneurswahl in Texas eingesetzt und arbeitete seitdem eng mit dem Texaner zusammen.

Hughes hat die Fähigkeit, komplizierte Themen und Formulierungen bei wichtigen Reden des Präsidenten auf Bushs Image des ganz normalen Amerikaners zuzuschneiden, eine menschliche Note hineinzubringen und ihn als "geraden Michel" zu präsentieren. Dazu kommt, dass sie während der 18 Monate, die sie im Weißen Haus arbeitete, als Gegengewicht zu dem als abgebrüht und zynisch geltenden Strategen Karl Rove angesehen wurde. Nach ihrem Abgang war sie zwar auch aus Texas ständig mit Bush in Verbindung, verlor jedoch einen Großteil ihres Einflusses an Rove, Condoleezza Rice und Vizepräsident Dick Cheney.

Was Bush an ihr schätzt, ist, dass sie sich kein Blatt vor den Mund nimmt und mit beiden Beinen auf der Erde steht. Aus Texas, wo sie mit ihrem Mann Jerry und ihrem Teenagersohn Robert wohnt, vermittelte sie ihm auch die Reaktionen von Menschen, die außerhalb des eng gezogenen politischen Kreises in Washington leben. Viele der eher Gemäßigten im Umkreis von Bush hörten die Nachricht "She is back!" jedenfalls mit einem Stoßseufzer der Erleichterung. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2004)

Von
Susi Schneider
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