Wärme, Löwen und Osterhasen

24. April 2004, 12:16
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ÖVP greift im Kampf um die Hofburg zu tierischen Mittlern - Magna-Boss Stronach hätte Fiedlers Kandidatur unterstützt

Löwin Somali zeigte sich nach Auskunft ihrer Pflegerin "durchaus interessiert", die Männchen Ovambo und Nakuru war der Besuch der ÖVP- Präsidentschaftskandidatin Benita Ferrero-Waldner hingegen "wurscht". Ferrero-Waldner (Kampagnen-Name: "die Löwin") war in den Tiergarten Schönbrunn gekommen, um die Patenschaft der Löwen zu übernehmen.

Die Reaktion der Tiere ist der der Wählerschaft nicht unähnlich: Ferrero führt nach jüngsten Umfragen mittlerweile klar bei Frauen, während Männer nach wie vor zu SPÖ-Bewerber Heinz Fischer tendieren. Wohl um dieses Manko ein wenig auszugleichen, bat die SPÖ einmal mehr zu einer ihrer "Frauen für Fischer"-Veranstaltungen. Er werde "dem Land Wärme geben", lautete die Botschaft. Weniger anschmiegsam gestalteten sich die parteipolitischen Aktionen zum Tag. Eine Abordnung der Jungen ÖVP trat im Osterhasenkostüm vor der SPÖ-Parteizentrale auf und verteilte Postkarten mit dem Slogan "Mein Name ist Hase und ich weiß von nichts". Zeitgleich versuchten Mitglieder der Sozialistischen Jugend, Ferrero mit Plakaten an ihr Gewissen zu erinnern.

"Putzig" fand SPÖ-Wahlkampfleiter Norbert Darabos die Hasenaktion "der zwei VPler" . Er warf der ÖVP vor, sich selbst in der Osterwoche nicht an das Fairness-Abkommen zu halten und mit "Ranger-Methoden", die Wahlhelfer Kurt Bergmann schon gegen Bruno Kreisky nichts genutzt hätten, zu agieren. Die Drahtzieher der "Schmutzkübelkampagne" gegen Fischer ortet Darabos im Cartellverband und verwies darauf, dass Ferrero-Waldner in ihrem Wahltagebuch betont hätte, sich "100-prozentig" auf den CV verlassen zu können: "Es wäre interessant zu erfahren, wie die VP-Kandidatin zum Abtreibungsverbot steht, für das sich der CV einsetzt."

ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka ärgerte sich über das "unglaubwürdige Wehklagen" über den schwarzen Wahlkampf. Lieber solle sich die SPÖ um den "Mist vor der eigenen Tür" kümmern.

Auch ein Fast-Kandidat und ein Fast-Financier meldeten sich zu Wort: Magna-Boss Frank Stronach gab bekannt, dass er Rechnungshofpräsident Franz Fiedler unterstützt hätte – und der sagte der Wohnpark Alterlaa Zeitung, dass auch er im Falle des Falles auf die Dienstvilla verzichtet hätte. Viel zu gern lebe er in Alt-Erlaa, er habe dort nie das Gefühl, "eine Nummer zu sein". (to, kob/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.4.2004)

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    Die "Löwin" mit Löwen

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