Die Slowakei baut eine Autobahn für Kia aus Korea

14. April 2004, 10:56
7 Postings

Für das neue Kia-Autowerk in der Zentralslowakei war der slowakische Staat zu großzügigen Konzessionen bereit

Zilina - as Steuersystem kann sich sehr schnell ändern, genauso wie eine Regierung", sagt Jean- Charles Lievens, Vice President von Kia Motors Europa zur Entscheidung seines Konzerns, ein großes Autowerk in der Slowakei zu errichten.

Das neu eingeführte Flat-Tax-System sei also nicht der Hauptgrund gewesen, auch nicht die niedrigen Lohnkosten - "diese werden sich mit dem EU-Beitritt schrittweise auch erhöhen."

"Detroit Mitteleuropas"

Gründe für die Investition im künftigen "Detroit Mitteleuropas" seinen vielmehr gewesen: die vorhandene gute Infrastruktur in einem traditionsreichen Maschinenbaugebiet und die Ausbildung der Facharbeiter am Fuße der hohen Tatra in Zilina.

Die Region war zu Zeiten des Kommunismus bekannt für seine Waffenfabriken,‑ die allerdings sukzessive geschlossen wurden - daher rührt der hohe Ausbildungsgrad der Facharbeiter.

Die 700.000-Einwohner-Region leidet derzeit unter einer Arbeitslosenrate von 17 Prozent, daher seien die 2800 Jobs (noch ohne Zulieferer) höchst willkommen. Nicht zu vernachlässigen, so Lievers, sei weiters das Entgegenkommen der lokalen Behörden.

Grund zum Nulltarif

So kaufte z.B. die Stadt Zilina 166 ha Grund und stellte sie Kia quasi zum Nulltarif zur Verfügung. Außerdem verpflichtete sich der Staat, das fehlende Autobahnstück knapp vor Zilina bis 2006 fertig zu bauen.

Wirtschaftsminister Pavol Rusko unterstrich, dass die Slowakei im Wettbewerb um Industrieansiedelungen ein harter Kämpfer sein werde: "Wir sind schon lange nicht mehr das hässliche Entlein Europas", sagte er bei der Spatenstichfeier am Mittwoch. An Förderungen werden 15 Prozent der Investitionssumme bezahlt.

Eine Milliarde Euro

Der koreanische Autokonzern, Tochter der DaimlerChrysler-nahen Hyundai-Gruppe, investiert eine Milliarde Euro. Heuer im Herbst wird zu bauen begonnen. Das Werk hat eine Kapazität von 300.000 Fahrzeugen pro Jahr, gestartet wird ab Dezember 2006 mit einem Jahresausstoß von 200.000. Produziert werden Modelle im C- und B-Segment, also in der Größe eines VW Golf beziehungsweise eines Peugeot 206, für den Gesamteuropäischen Markt.

70 Prozent der Wertschöpfung sollen aus der EU stammen. Inwiefern österreichische Zulieferer zum Zug kommen können, sei noch offen, so Lievens. "Aber wir bekommen schon sehr viele Anfragen."

Wenn im Jahr 2007 das Werk voll angelaufen ist,‑ werden in der Slowakei jährlich zwischen 800.000 und 900.000 Personenwagen gefertigt. Damit wird die Slowakei, gemessen an der Relation zur Einwohnerzahl von 5,4 Millionen, das größte Autoherstellerland der Welt sein. (DER STANDARD Printausgabe, 084.2004, Leo Szemeliker)

Share if you care.