Schrempp verteidigt globale Strategie

21. April 2004, 14:01
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Daimler hält sich bei Mitsubishi alle Optionen offen - Heftige Kritik der Kernaktionäre

Berlin - DaimlerChrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp hat auf der Hauptversammlung am Mittwoch den Einstieg des Konzerns bei Mitsubishi Motors verteidigt. Entscheidungen über den Finanzbedarf zur notwendigen Sanierung des japanischen Autobauers sind nach seiner Aussage noch nicht getroffen. In Verhandlungskreisen hieß es jedoch, DaimlerChrysler wolle ein 700 Mrd. Yen (5,5 Mrd. Euro) schweres Rettungspaket für Mitsubishi schnüren.

Sanierungsplan

Erst müsse der für Ende April angekündigte Sanierungsplan für Mitsubishi Motors vorliegen, dann würden Entscheidungen über den Finanzbedarf getroffen, sagte Schrempp am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin. "Bis zu diesem Zeitpunkt halten wir uns alle Entscheidungen offen." Für 2004 bekräftigte der Vorstandschef, der Gewinn aus dem laufenden Geschäft werde etwas höher ausfallen als die im vergangenen Jahr erzielten 5,1 Mrd. Euro. Im ersten Quartal habe das operative Ergebnis einschließlich der Belastungen für das Mautsystem Toll Collect auf dem Vorjahresniveau von rund 1,4 Mrd. Euro gelegen. Mehrere der rund 9.200 Kleinaktionäre, aber auch Manager großer Fonds äußerten teils massive Kritik am Kurs von DaimlerChrysler und forderten Schrempps Rücktritt.

Ein Team um Smart-Chef Andreas Renschler arbeitet Schrempp zufolge "mit Hochdruck" an einem Sanierungsplan für Mitsubishi Motors, das nach hohen Kreditverlusten in USA für 2003/04 (zum 31. März) 72 Mrd. Yen (560 Mio. Euro) Nettoverlust erwartet hat.

"Können uns trennen"

Der tief greifende Sanierungsplan müsse zeigen, ob Mitsubishi die richtige Strategie habe, finanziell sanierbar sei und in die schwarzen Zahlen zurückgeführt werden könne. Schrempp wies Vermutungen zurück, DaimlerChrysler sei wegen Chrysler auf Mitsubishi angewiesen: "Wenn es strategisch und wirtschaftlich Sinn macht, sind wir in der Lage, uns von allem zu trennen." In Mitsubishi-Kreisen war zuvor aber darauf verwiesen worden, dass DaimlerChrysler an Mitsubishi festhalten wolle.

In Kreisen hieß es, ein erklecklicher Teil der benötigten 5,5 Mrd. Euro solle durch eine Kapitalerhöhung aufgebracht werden, die beide Großaktionäre - DaimlerChrysler und die Mitsubishi-Gruppe - zu gleichen Teilen tragen sollten. Den Rest sollen unter anderem staatliche Förderkredite beisteuern. Beide Großaktionäre wollten keine Stellung zu den Summen nehmen.

Keine Kritik an global ausgerichteten Strategie

Schrempp wollte aus den Schwierigkeiten bei Mitsubishi aber keine Kritik an seiner global ausgerichteten Strategie ableiten: "Wenn ein Teil eines Unternehmens nicht gut läuft, kann man sehr leicht den Blick für das Ganze verlieren." "Bei einem operativen Problem ändern wir nicht die Strategie, sondern bringen das in Ordnung", betonte er.

Immerhin stünden drei Konzernbereiche - Mercedes-Benz, die Nutzfahrzeug- und die Dienstleistungssparte - sehr gut da. Auch der 2003 verlustträchtige US-Autobauer Chrysler habe im ersten Quartal seinen positiven Ergebnistrend fortgesetzt. Deutliche Ergebnisverbesserungen stellte Schrempp aber erst für 2005 und 2006 in Aussicht. Der traditionell größte Ergebnisträger, das vor mehreren Modellwechseln stehende Pkw-Geschäft von Mercedes, habe im ersten Quartal zwei Prozent weniger Autos abgesetzt. In der Nutzfahrzeugsparte seien die Absatzzahlen dagegen deutlich gestiegen, auch die Auftragseingänge seien erfreulich.

Fondsmanager und Kleinaktionäre unzufrieden

Unzufrieden zeigten sich hingegen Fondsmanager und Kleinaktionäre. Die Anlagegesellschaft der Sparkassen, Deka, kündigte an, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten und eine Wiederwahl von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper abzulehnen. DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen übte ungewohnt scharfe Kritik am Vorstand: "Es brennt lichterloh bei Mitsubishi." Die Probleme bei Mitsubishi und Chrysler drohten das gesunde Kerngeschäft zu gefährden. Dass Schrempp die Investoren erneut auf 2005 und 2006 vertröste, sei eine Zumutung. "Sie haben ihre Vertrauenskonto bei den Aktionären deutlich überzogen", sagte Kaldemorgen unter großem Beifall der Aktionäre. Zu dem Abstimmungsverhalten der Fondsgesellschaft des DaimlerChrysler-Großaktionärs Deutsche Bank wollte er sich nicht äußern.

Schrempps Vertrag als DaimlerChrysler-Vorstandschef sollte vom Aufsichtsrat unmittelbar nach dem Aktionärstreffen bis 2008 verlängert werden.

(APA/Reuters)

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    Schrempp wollte aus den Schwierigkeiten bei Mitsubishi keine Kritik an seiner global ausgerichteten Strategie ableiten: "Wenn ein Teil eines Unternehmens nicht gut läuft, kann man sehr leicht den Blick für das Ganze verlieren."

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