Kabel Deutschland und Privatsender im Gespräch über Digitalisierung

15. April 2004, 10:40
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Verschlüsselung kann nur im Einvernehmen mit Programmanbieter erfolgen

Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) ist mit Privatsendern im Gespräch über die geplante Digitalisierung des Kabelfernsehens. Eine mögliche Verschlüsselung von Privatsendern könne nur einvernehmlich mit den Programmanbietern geregelt werden, sagte eine KDG-Sprecherin am Mittwoch in München. Ziel einer Verschlüsselung sei vor allem, das Kabelnetz adressierbar zu machen. Frei empfangbare und Pay-TV-Angebote sollten auf digitaler Basis auch künftig nebeneinander existieren.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Mittwochausgabe) hatte berichtet, dass es um die Verschlüsselung von Sendern wie RTL oder Sat.1 im Rahmen der Digitalisierung Streit gebe. Solche Programme könnten digital dann nur noch mit einer speziellen Zugangskarte (Smart Card) der KDG empfangen werden. Neben den anderen Kabelnetzbetreibern seien auch die Privatsender gegen einen solchen Weg, hieß es in dem Bericht. Dazu habe es ein vertrauliches Treffen bei Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke gegeben.

"Ich gehe davon aus, dass man zu einer einvernehmlichen Lösung kommt", sagte die KDG-Sprecherin. Man wolle eine offene Plattform im digitalen Spektrum schaffen, die Free TV und Abonnentenangebote zugleich vorsehe. Derzeit sei KDG mit mehr als 100 Programmanbietern im Gespräch.

Deutschlands größter TV-Konzern ProSiebenSat.1 pocht unterdessen auf den Erhalt frei empfangbarer Programminhalte. "Was wir sicher nicht in Kauf nehmen werden, sind Reichweiten-Verluste, Free-TV muss Free-TV bleiben", sagte eine Unternehmenssprecherin. Die Verhandlungen mit KDG dauerten an, wann es zu einer Entscheidung über die Ausgestaltung der Digitalisierung komme, sei noch nicht absehbar.

Kabel Deutschland hatte kürzlich die Übernahme der Betreiber ish (Nordrhein-Westfalen), iesy (Hessen) und Kabel Baden-Württemberg bekannt gegeben. Damit wird das Unternehmen künftig mehr als 17 Mio. Haushalte mit TV-Programmen versorgen. Die milliardenschwere Akquisition muss noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden. Dann befindet sich das ehemalige Telekom-Kabelnetz wieder vollständig in der Hand eines Anbieters.(APA)

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