"Nationalbank lädt Nationalbank ein"

16. April 2004, 18:23
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OeNB-Chef Liebscher bestätigt die Einladung an seinen deutschen Kollegen Welteke zum Opernball 2000 - "Institutionelle Kontaktpflege"

Wien - Der deutsche Bundesbankpräsident Ernst Welteke war im März 2000 auf Einladung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) am Wiener Opernball. Welteke und seine Gattin waren Gäste in der Loge von Österreichs Notenbankchef Klaus Liebscher.

Liebscher bestätigte am Mittwoch gegenüber der APA diese Einladung und er ergänzte zugleich, dass er in den vergangenen Jahren auch eine Reihe anderer Notenbank-Kollegen zum Opernball eingeladen hatte, darunter Weltekes Vorgänger Hans Tietmeyer, den damaligen französischen Notenbankchef und heutigen EZB-Chef Jean-Claude Trichet, aber auch den früheren EZB-Präsidenten Wim Duisenberg sowie Zentralbank-Kollegen aus Dänemark und Schweden.

"Normale Geschichte"

Liebscher hält Einladungen zum Opernball für eine "normale Geschichte", zur institutionellen Kontaktpflege zwischen Kollegen, wie eben auch Minister oder Bürgermeister regelmäßig Kollegen anderer Länder als ihre Gäste zum Opernball luden.

"Notenbank lädt Notenbank" sei im übrigen auch "etwas anderes als das was ich in den Medien verfolge", betont Liebscher. Näher wollte er sich zu der Affäre um einen von einer deutschen Kommerzbank bezahlten mehrtägigen Aufenthalt Weltekes und seiner Familie in einem Berliner Luxushotel nicht äußern.

Welteke unter Beschuss

Welteke ist in Deutschland wie berichtet unter massivem Beschuss, weil er zum Jahreswechsel 2001/2002 gemeinsam mit seiner Familie auf Kosten der Dresdner Bank im Berliner Nobelhotel Adlon vier Nächte lang für mindestens 7.600 Euro verbracht hatte.

Kein Urlaub

Die Einladung der Oesterreichischen Nationalbank habe nur für den Opernball gegolten, es sei kein Urlaub bezahlt worden, hatte am Vormittag die Deutsche Bundesbank ausdrücklich fest gehalten.

Als falsch zurückgewiesen wurde von der Bundesbank damit auch ein Bericht in der heutigen deutschen "Bild"-Zeitung, wonach Welteke nach einem Wiener Opernballbesuch mehrere Tage Urlaub auf Kosten eines österreichischen Kreditinstituts gemacht hätte. Auch Liebscher geht davon aus, dass dieser Zeitungsbericht nicht stimmt.

Welteke war laut OeNB-Gouverneur Liebscher im März 2000 am Donnerstag, dem Opernballtag (2. März) angereist und er sei am Wochenende, am Sonntag um 7 Uhr früh nach Frankfurt zurück geflogen.

"Wir haben für ihn und seine Frau wie es bei diesen Einladungen durchaus angemessen ist, die Hotelrechnung übernommen", sagte Liebscher. Wie viel die OeNB für die Unterbringung der beiden deutschen Gäste auslegte, wurde nicht veröffentlicht.

Einladung für 2005

Liebscher wird auch zum Opernball 2005 wieder einen Gast in seine Loge einladen, wie er heute weiter versicherte. Beim Opernball 2004 hatte er keinen Gast, weil er selbst wegen einer Fußverletzung in der heurigen Ballsaison keine einzige Ballveranstaltung besucht habe. (APA)

  • Für OeNB-Gouverneur Klaus Liebscher (li.) und sein deutscher Kollege Ernst Welteke.
    epa/uwe zucchi

    Für OeNB-Gouverneur Klaus Liebscher (li.) und sein deutscher Kollege Ernst Welteke.

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