Gedächtnisprobleme als Folge von Chemotherapie

14. April 2004, 11:31
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Oft beklagt und lange Zeit nicht ernst genommen - jetzt aber duch Studien belegt

New York - Die Konzentrations- und Gedächtnisstörungen vieler Krebspatienten sind keine Einbildung, wie lange vermutet, sondern vorübergehende Nebenwirkungen der Chemotherapie. Das ergab eine Reihe neuer US-Studien, die das "Wall Street Journal" in seiner Online-Ausgabe vom Dienstagabend vorstellte.

So wies eine Untersuchung am M.D. Anderson Krebsforschungszentrum in Houston (Texas) bei zwei von drei Chemo-Patienten eine Einbuße der Konzentrationsfähigkeit und des Erinnerungsvermögen nach. Bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen verschwanden die Symptome wenige Wochen bis Monate nach Abschluss der Chemotherapie wieder - und zwar ganz von allein.

Unterschiedliche Stoffwechselaktivität

Aufnahmen von Krebspatientinnen mit und ohne Chemotherapie zeigten Unterschiede der Stoffwechselaktivität in genau jenen Hirnregionen, die mit Sprache zu tun haben. Das berichtete Dan Silverman, der Leiter der Abteilung Neuronuclear Imaging an der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) der Zeitung. Seinen Angaben nach sahen einige Hirnbereiche von Chemo-Patienten "25 Jahre älter" aus, als sie in Wirklichkeit waren.

Die resultierenden Störungen belasten die Betroffenen zwar zusätzlich, lassen sich aber in den meisten Fällen mit etwas Geduld überbrücken, beruhigt die Neuropsychologin Christina Meyers, die bei M.D. Anderson an entsprechenden Studien mitarbeitet. Wichtig sei, dass Patienten über die Ursache informiert würden und das Nachlassen ihrer geistigen Schärfe nicht als Beginn einer Alzheimer Erkrankung missverstünden.

Mögliche Abhilfe

Studien am Zentrum für psycho-onkologische Forschung der Dartmouth Universität in Hanover (New Hampshire) allerdings fanden, dass 20 bis 25 Prozent der betroffenen Patienten längerfristige Probleme nach der Chemotherapie entwickeln. Forscher des Dana-Farber-Instituts in Boston fanden außer der Gedächtnisschwäche noch weitere Symptome: verlangsamte Denkprozesse sowie Schwierigkeiten mit dem Organisieren und Erledigen von mehreren Aufgaben gleichzeitig.

Das Krebsforschungszentrum M.D.Anderson untersucht derzeit, ob Ritalin, ein übliches Mittel gegen das "Zappel-Phillip-Syndrom", auch diesen Patienten helfen kann. Dagegen versucht ein Team von Tim Ahles an der Dartmouth Universität, dem Problem mit Entspannungstherapien und dem guten alten Notizblock die Spitze zu nehmen. (APA/dpa)

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