Der deutsche Justizfall Motassadeq

8. April 2004, 18:18
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Von den Terroranschlägen am 11.9.2001 bis zu seiner Freilassung unter Auflagen

Hamburg - Nach den Anschlägen des 11. September 2001 in New York und Washington wurde der Marokkaner Mounir El Motassadeq als Helfer der Hamburger Terror- Zelle verurteilt. Jetzt kommt er frei. Die wichtigsten Ereignisse:

  • 11. September 2001: Terror-Anschläge mit Flugzeugen in den USA. Eine Spur führt nach Hamburg. Dort hatte der Todespilot Mohammed Atta gewohnt. Zu den Freunden der Gruppe hatte auch Motassadeq gehört.

  • Oktober 2001: Gegen Motassadeq wird ermittelt.

  • 27. November 2001: Haftbefehl wegen Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Motassadeq kommt in Untersuchungshaft.

  • 28. August 2002: Anklage gegen den Marokkaner.

  • 22. Oktober 2002: Prozessbeginn vor dem Oberlandesgericht Hamburg. Es ist das weltweit erste Verfahren um die Anschläge des 11. September.

  • 19. Februar 2003: Motassadeq wird wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 3.000 Fällen zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er legt Revision ein.

  • 14. August 2003: In Hamburg Prozessbeginn gegen Motassadeqs Landsmann Abdelghani Mzoudi - Anklage ebenfalls wegen Terror-Unterstützung.

  • 11. Dezember 2003: Nach Verlesung einer entlastenden Zeugen-Aussage kommt Mzoudi aus der Untersuchungshaft frei. Daraufhin beantragt Motassadeqs Verteidigung die Entlassung auch ihres Mandanten.

  • 15. Dezember 2003: Das Oberlandesgericht Hamburg lehnt dies ab.

  • 8. Jänner 2004: Auch der Bundesgerichtshof spricht sich gegen die Aufhebung des Haftbefehls aus. Begründung: Anders als bei Mzoudi wurde im Fall Motassadeq bereits ein Urteil gesprochen.

  • 28. Jänner 2004: Beginn des Motassadeq-Revisionsverfahrens vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

  • 5. Februar 2004: Mzoudi wird in Hamburg freigesprochen.

  • 4. März 2004: Wegen Mängeln in der Beweiswürdigung hebt der Bundesgerichtshof den Schuldspruch gegen Motassadeq auf und verweist das Verfahren zur Neu-Verhandlung zurück nach Hamburg.

  • 7. April 2004: Das Oberlandesgericht Hamburg verfügt die Freilassung Motassadeqs gegen Auflagen. Der Haftbefehl bleibt zunächst bestehen. (APA/dpa)
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