Sturmjäger aus Österreich

14. April 2004, 11:21
posten

Innsbrucker Forscher erkunden das gefährliche Rotorenphänomen in den USA

Innsbruck - Innsbrucker Forscher sind derzeit den starken Windstürmen im Lee (dem Wind abgekehrte Seite, Anm.) des kalifornischen Sierra Nevada Gebirges auf der Spur. Die Wissenschafter wollen im Rahmen einer internationalen Feldmess-Kampagne dem Rotorenphänomen auf den Grund gehen. Die atmosphärischen Wirbel mit starken Turbulenzen stellen vor allem für den Flugbetrieb eine große Gefahr dar. Die beiden Messphasen finden im April 2004 und 2006 statt, teilte die Universität Innsbruck am Mittwoch mit.

"Monster"

Die Wirbel sind Segelfliegern schon lange bekannt und werden wegen ihrer Gefährlichkeit auch als "Monster" bezeichnet. Bereits 1952 hatten Forscher einen waghalsigen Versuch unternommen, um die Struktur der Rotoren zu untersuchen. Segelflieger waren dafür freiwillig in den "Rachen des Monsters" vorgedrungen. Ein Pilot stürzte dabei ab. Er konnte sich jedoch mit dem Fallschirm retten und überlebte das Experiment nahezu unverletzt. Sein Flieger wurde zerstört.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse wurden von den Forschern als spektakulär bezeichnet. Bis heute habe man die physikalischen Mechanismen der Rotoren allerdings nur begrenzt verstanden.

Rückkehr an den Schauplatz

Die Tiroler Forscher rund um die beiden Meteorologen Georg Mayr und Alexander Gohm sind Teil des "Terrain-induced Rotor Experiments" (T-REX). Sie kehren nun an den Schauplatz des Sierra Wave Experiments vor 52 Jahren zurück. Das angrenzende Tal mit dem Namen Owens Valley ist nach Angaben der Wissenschafter ein Mekka für Rotorforscher.

Die Innsbrucker entwickelten für ihre Untersuchung eine mobile Plattform zur Messung von Wind, Druck, Temperatur und Luftfeuchte. Die Position der Plattform wird auf Dezimeter genau und im Sekundenintervall mit differenzieller GPS-Technik bestimmt. Als Beförderungsmittel dient ein normaler Pkw.

Vermessung

Das Messprinzip scheint simpel. Das Detail steckt jedoch in der Technologie, und zwar in der hohen Qualität der Sensoren und der ausgetüftelten Auswertesoftware, sowie in der Messstrategie: Im Gegensatz zu einer stationären Wetterstation kann man mit der mobilen Messplattform ein großes Gebiet wie das Owens Valley nahezu flächendeckend vermessen. Hotspots mit starken Winden und die "Fußabdrücke" der Rotoren können über Luftdruck- und Windmessungen am Boden aufgespürt werden. (APA)

Share if you care.