Kampfhandlungen erfassen fast den ganzen Irak

8. April 2004, 13:14
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US-Kampfjet bombardiert Moschee in Falluja: Bis zu 40 Tote - Ukrainische Armee gibt Kut nach heftigen Gefechten mit schiitischen Aufständischen auf - Mit Infografik

Falluja - Knapp ein Jahr nach dem Einmarsch der US-Truppen in Bagdad weitet sich der erbitterte Widerstand gegen die Besatzungstruppen im Irak wie ein Flächenbrand aus, die Kämpfe erfassen nun fast das gesamte Land. Von Kirkuk im Norden bis weit in den Süden kämpften Aufständische am Mittwoch gegen ausländische Soldaten. Bei einer massiven Offensive der US-Armee im sunnitischen Westirak sind am Mittwoch mehr als 100 Menschen getötet worden. Allein in der Widerstandshochburg Falluja, wo die Amerikaner unter anderem das Gelände einer Moschee bombardierten, zählten Krankenhausärzte rund 70 Tote und etwa 200 Verlezte. Das US-Kommando kündigte zugleich an, es wolle die "Mahdi-Armee" des radikalen Schiitenführers Muktada al Sadr, die ein Viertel in Bagdad und mehrere schiitische Ortschaften kontrolliert, zerschlagen.

Die Kämpfe breiteten sich am Mittwoch in mehrere Richtungen aus. Schiitische Milizionäre übernahmen die Kontrolle über einige Ortschaften im Süden des Landes. US-Präsidentensprecher Scott McClellan sagte zu den zunehmenden Verlusten, Präsident George W. Bush trauere "um jeden Gefallenen". Die US-Regierung bekräftigte erneut ihre Absicht, am 1. Juli die Souveränität an die Iraker zurück zu geben.

Bomben gegen Moschee

Die USA haben nach eigenen Angaben am Mittwoch mit Bomben und Raketen irakische Aufständische angegriffen, die hinter der Außenwand einer Moschee Schutz gesucht hatten. "Nach unseren Informationen sind wir gegen eine Gruppe von Aufständischen vorgegangen, die sich hinter der äußeren Mauer einer Moschee versteckt hatten, nicht in der Moschee selbst", sagte US-Brigadegeneral Mark Kimmitt dem Sender CNN. Nach den vorliegenden Bildern scheine die Moschee selbst keinen Schaden genommen zu haben.

Kimmitt zufolge hatten die in den Kampf verwickelten US- Marineinfanteristen Unterstützung angefordert. Es seien daraufhin auf die Außenmauer zwei gelenkte 500 Pfund (227 Kilogramm) schwere Bomben abgeworfen und Raketen abgefeuert worden, sagte er im US-Fernsehen. "Wenn man damit anfängt, eine religiöse Stätte zu militärischen Zwecken zu benutzen, verliert sie ihren geschützten Status", sagte er. "Unseres Wissens nach erlitt der Feind schwere Verluste." Berichte, nach denen bis zu 40 Iraker ums Leben gekommen seien, bestätigte er nicht.

Soldaten fanden keine Leichen

US-Oberstleutnant Brennan Byrne sagte hingegen am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP in der irakischen Widerstandshochburg, nach dem Einrücken in die Moschee hätten US-Soldaten keine Leichen gefunden. Der selbe Offizier hatte zuvor verkündet, bis zu 40 in der Moschee verschanzte Rebellen seien getötet worden.

"Als wir das Gebäude trafen, dachte ich, wir hätten alle getötet, aber drinnen fanden sie niemanden", fügte der US-Offizier hinzu. Möglicherweise seien die Kämpfer nach der ersten Angriffswelle geflüchtet. Eine Möglichkeit sei weiter, dass aufständische Iraker die Leichname ihrer Mitkämpfer weggebracht hätten. Allerdings seien auf dem Boden des Gebäudes keine Blutspuren zu sehen gewesen.

"Heiliger Krieg"

Die Moscheen der Stadt riefen zum "Heiligen Krieg" gegen die Besatzungstruppen auf. Unter den irakischen Opfern der am Dienstagabend einsetzenden Gefechte waren nach Krankenhausangaben vor allem Frauen und Kinder.

Heftige Bombenangriffe im Stadtzentrum von Falluja

Im Stadtzentrum von Falluja waren heftige Bombenangriffe zu hören, dicker Rauch stieg auf. Die Aufständischen verkündeten in einer Erklärung, sie hätten weiter die Kontrolle über die Stadt und hätten drei US-Hubschrauber abgeschossen. Die US-Soldaten setzten die Suche nach den Mördern von vier Mitarbeitern eines privaten Sicherheitsdienstes fort, deren Leichen in der vergangenen Woche in Falluja von einem wütenden Mob geschändet wurden. Soldaten verteilten Poster mit Fotos von sechs Verdächtigen.

Bei einer gewalttätigen Demonstration in der nordirakischen Kleinstadt Howeija sind am Mittwoch zehn Iraker und ein US-Soldat ums Leben gekommen. Das berichteten Polizisten und Krankenhausärzte in der rund 35 Kilometer südwestlich von Kirkuk gelegenen Ortschaft. Polizeioffizier Ahmed Abdullah sagte, Hunderte von Männern seien auf die Straße gegangen, um ihre Solidarität mit den Aufständischen in Falluja zu verkünden. Rund 50 der Demonstranten seien bewaffnet gewesen. Diese hätten US-Soldaten, die sich in der Region befanden, angegriffen. Die Amerikaner hätten daraufhin zurück geschossen. Unter den Toten, die nicht zu den Bewaffneten gehört hätten, sei auch ein neun Jahre alter Junge.

Angriff auf Schiitenviertel Sadr-City

Bei einem US-Hubschrauberangriff auf das Schiitenviertel Sadr-City in Bagdad starben in der Nacht auf Mittwoch mindestens vier Iraker. In Kerbala wurden bei Kämpfen in der Nacht mindestens drei Mitglieder der "Armee Mehdis" des radikalen Schiiten-Führers Sadr getötet, darunter ein enger Vertrauter von Sadr. Nach Angaben der irakischen Polizei erschossen polnische Soldaten bei einem Gefecht in Kerbala den Chef von Sadrs dortigen Büro. Sadr selbst hat sich mit zahlreichen Kämpfern in der Stadt Najaf verschanzt. Er hat angekündigt, die schiitischen Rebellen würden ihren Kampf gegen die Besatzungstruppen so lange fortsetzen, bis diese das Land verlassen.

US-Armee kündigt Zerschlagung von Sadrs Milizen an

Die US-Truppen im Irak kündigten unterdessen eine Zerschlagung von Sadrs Milizen an. "Wir werden angreifen, um die Mahdi-Armee zu zerstören", sagte US-Armeesprecher Mark Kimmitt in Bagdad. Den wegen Mordverdachts gesuchten Sadr rief er dazu auf, sich zu stellen. Obwohl die Besatzungstruppen derzeit gegen schiitische Aufständische im Süden und im Zentrum des Irak sowie gegen sunnitische Rebellen westlich der Hauptstadt kämpfen, wies Kimmitt die Einschätzung zurück, die Besatzer kämpften an zwei Fronten gleichzeitig: "Ich glaube, das ist eine falsche Darstellung", sagte der Vize-Chef des Militäreinsatzes der Besatzungstruppen.

Ukrainische Armee gibt Kut auf

Die ukrainische Armee gab unterdessen die Stadt Kut rund 180 Kilometer südlich von Bagdad nach heftigen Gefechten mit Sadrs Anhängern auf. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew zogen sich die Soldaten zurück, die Schiiten-Milizen hätten die Kontrolle über die Stadt erobert. Der Abzug der ukrainischen Verbände sei auf Anordnung der US-Armee erfolgt, um das Leben der Soldaten und der zivilen Mitarbeiter zu schützen, hieß es. Die Soldaten wurden am Mittwochmorgen unter dem Schutz von Kampfhubschraubern aus der Stadt in Sicherheit gebracht. Vorausgegangen waren 24 Stunden andauernde Gefechte, in deren Verlauf mehrere Dutzend Iraker sowie ein ukrainischer Soldat getötet wurden. (APA/AP/dpa)

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    Auch die US-Armee hat zahlreiche Verletzte zu beklagen

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