Nationalbank soll Österreich-Urlaub gesponsert haben

7. April 2004, 14:31
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Bundesbank-Chef dementiert bezahlten Urlaub, und sieht weiter keinen Rücktrittsgrund - Vorstand berät heute über Ablöse

Frankfurt - Vor Beginn der Beratungen des Bundesbank-Vorstands über die Zukunft ihres Präsidenten Ernst Welteke hat die Zentralbank einen Bericht über eine weitere bezahlte Reise dementiert. Laut "Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe) hat sich Welteke nach dem Wiener Opernball "von einer Bank" zu einem mehrtägigen Aufenthalt einladen lassen. Dies sei "falsch", sagte ein Sprecher am Mittwoch. Die Einladung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) habe nur für den Opernball gegolten, es sei kein Urlaub bezahlt worden. Zu den Details und dem Zeitpunkt konnte er keine Angaben machen.

Vorwürfe prüfen

Der Vorstand sollte am Mittag zusammenkommen, um die Vorwürfe gegen Welteke wegen seines umstrittenen Hotel-Aufenthalts zu prüfen. Ob am gleichen Tag noch ein Ergebnis erzielt werde, sei nicht abzusehen, sagte der Sprecher. Politiker aller Parteien hatten Welteke nahe gelegt, sein Amt zur Verfügung zu stellen. In Regierungskreisen hieß es, man erwarte am Mittwoch ein Ergebnis, das sowohl Klarheit über die Zukunft Weltekes als auch eine deutliche Stärkung der Institution Bundesbank beinhalte. Die Zentralbank hat kein eigenes Kontrollgremium wie zum Beispiel einen Aufsichtsrat.

Welteke hatte am Dienstagabend in den ARD-"Tagesthemen" angekündigt, die Prüfung des Vorstands und die Ermittlungsergebnisse der Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen ihn abzuwarten. "Ich sehe bisher keinen Grund zurückzutreten." Er räumte ein, "vielleicht überharsch" auf die ersten Vorwürfe reagiert zu haben.

Verdachts der Vorteilsgewährung

Welteke hatte sich die Unterbringung im Berliner Luxushotel Adlon zur Jahreswende der Euro-Einführung 2001/2002 von der Dresdner Bank bezahlen lassen. Am Montag beglich er die Rechnung nachträglich zum Teil selbst, für den "dienstlichen Teil" kam sein Arbeitgeber auf. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen die Frankfurter Großbank wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung.

"Hätte ich das gewusst, zu welchen Bedingungen ich im Adlon untergebracht bin, dann hätte ich natürlich eine andere Unterkunft gesucht. Da mache ich mir einen Vorwurf und das tut mir unendlich leid", sagte Welteke in der ARD. Er hatte damit gerechnet, dass das Hotel "erhebliche Rabatte für Firmen" gewährt. Tatsächlich kostete die mehrtägige Unterbringung für ihn und seine Familie 7.661,20 Euro.

Caio Koch-Weser als Favorit

Als Favorit für die mögliche Nachfolge von Welteke dürfte der Staatssekretär im deutschen Finanzministerium, Caio Koch-Weser (59), ins Rennen gehen. Der parteilose, aber SPD-nahe Politiker war bereits 2000 Kandidat für den Chefposten des Internationalen Währungsfonds (IWF), scheiterte aber am Widerstand der Amerikaner. Bundesbank-Vize Jürgen Stark (55) brächte zwar die notwendigen Qualifikationen mit, machte jedoch unter der CDU/FDP-Bundesregierung Karriere. Der deutsche Vertreter im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), Chefvolkswirt Otmar Issing, ist bereits 68 Jahre alt.(APA/dpa)

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