Saint-Exupérys Tod bleibt ungeklärt

16. April 2004, 21:09
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Rund 60 Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden des Schriftstellers wurden Wrackteile seines Flugzeugs geborgen

Rund 60 Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry sind Wrackteile seines Flugzeugs nahe Marseilles geborgen worden. Die Absturzursache wird sich nie klären lassen.

Marseille - Jahrzehntelang wurde gerätselt, wo und wie genau der durch das Buch "Der kleine Prinz" legendär gewordene flugbegeisterte Autor ums Leben gekommen ist. Am Mittwochmorgen teilte nun in Frankreich die staatliche Behörde für archäologische Unterwasserforschungen mit, ein Forscherteam habe die Überreste von Antoine de Saint-Exupérys US-Maschine vom Typ Lightning P38 vor Marseille im Meer entdeckt.

Warum die Maschine abstürzte, sei nach wie vor unklar. "Wir werden es wahrscheinlich nie herausfinden", sagte Behördenchef Patrick Granjean.

Aufklärungsflug

Der in Lyon geborene Saint-Exupéry diente am Ende des Zweiten Weltkriegs als Freiwilliger in der Befreiungsarmee von General Charles de Gaulle. Am 31. Juli 1944 startete der damals 44-jährige zu einem Aufklärungsflug von Korsika in Richtung Alpen und kehrte nie wieder zurück. Ob das Flugzeug bei einem Unfall abstürzte oder abgeschossen wurde, ist ungeklärt.

Die erste Spur des Verunglückten wurde 1998 entdeckt, als ein Fischer aus Marseille im Meer ein silbernes Armband mit Saint-Exupérys Namen fand. Im Mai 2000 erklärte dann der Taucher Luc Vanrell, er habe Wrackteile der Maschine in etwa 70 Meter Tiefe im Wasser vor Marseille lokalisiert.

Der Historiker Philippe Castellano zeigte sich überzeugt, dass es sich dabei um Teile von Saint-Exupérys Flugzeug handelte. Die Behörden gaben jedoch erst im Oktober 2003 die offizielle Erlaubnis, nach dem Wrack zu suchen und es gegebenenfalls zu bergen.

Auf einem Schild des nun neben anderen Teilen gefundenen Tanks entdeckten die Forscher laut eigenen Angaben eine mit der Hand eingravierte Nummer: 2734 L. Dabei handelt es sich ihrem Bericht zufolge um die Produktionsnummer des Flugzeugherstellers Lockheed.

Tränen in den Augen

Diese entspreche gemäß einer Liste der US-Luftwaffe der militärischen Registriernummer 42-68223 - unter der war Saint-Exupérys Maschine eingetragen. "Ich hatte Tränen in den Augen, als ich die Nummer gesehen habe", sagte Pierre Becker, Leiter des Forscherteams.

Der "Kleine Prinz" machte Saint-Exupéry posthum weltberühmt, das Werk wurde in 110 Sprachen übersetzt und gehört zu den bestverkauften Büchern der Welt. Der Schriftsteller verarbeitete auch seine Erlebnisse als Pilot in mehreren Romanen, darunter "Südkurier" (1929), "Nachtflug" (1931), "Wind, Sand und Sterne" (1939) und "Flug nach Arras" (1942). (AFP / DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2004)

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    Saint-Exuperys "Kleiner Prinz" wurde in über 100 Sprachen zum Besteller

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    Saint-Exupery war während des Zweiten Weltkriegs von Korsika aus alleine und unbewaffnet mit seiner Maschine zu einem Aufklärungsflug über die französischen Alpen aufgestiegen und nie zurückgekehrt.

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