Karen Hughes: Massenvernichtungswaffen im Irak möglich

8. April 2004, 19:26
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US-Präsidentenberaterin: Weder Bush noch Clinton hätten Anschläge verhindern können

Washington - Die Beraterin von US-Präsident George W. Bush, Karen Hughes, hält die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak weiterhin für möglich. Der Irak sei ja ein großes Land, und Saddam Hussein habe schließlich bereits Massenvernichtungswaffen besessen und eingesetzt, sagte Hughes Dienstag abend in der CNN-Sendung "Larry King Live". Der Irak-Krieg sei auf jeden Fall notwendig gewesen, um zu verhindern dass Terroristen an die möglicherweise existierenden Massenvernichtungswaffen kommen, betonte Hughes. "Das war unser Alptraum-Szenario".

Angesprochen auf die Erklärung von US-Außenminister Colin Powell, der eingeräumt hatte seine Aussagen vor der UNO zu den Massenvernichtungswaffen hätten sich auf nicht zuverlässige Informationen gestützt, meinte Hughes, vor dem Irak-Krieg hätten alle "glaubwürdigen Geheimdienste" an die Existenz von irakischen Massenvernichtungswaffen geglaubt. Auch der UNO-Sicherheitsrat sei damals von der Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen ausgegangen, behauptete Hughes.

Die aktuelle Entwicklung im Irak werde sich bald beruhigen, meinte die republikanische Präsidentenberaterin. Die Aussage von Senator Ted Kennedy, der von einem neuen "Vietnam" im Irak gesprochen hatte, bezeichnete sie als "verantwortungslos". Die USA hätten es im Irak derzeit mit einem fanatisierten Geistlichen zu tun, kommentierte sie die jüngsten Unruhen von Schiiten, bei denen zahlreiche US-Soldaten und Iraker getötet wurden. "Es war auch in Deutschland und Japan nicht leicht, eine Demokratie aufzubauen, es ist auch im Irak nicht einfach", zog Hughes einen Vergleich zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 hätten weder von Bush noch von seinem Vorgänger Bill Clinton verhindert werden können, zeigte sich die Präsidenten-Beraterin überzeugt. Die Vorwürfe des ehemaligen Anti-Terrorberaters Richard Clarke, der Präsident habe dem Kampf gegen Terrorismus in den ersten acht Monaten seiner Amtszeit nicht genügend Priorität eingeräumt, bezeichnete Hughes als haltlos. Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice werde bei ihrer Aussage vor der 9/11-Kommission am Donnerstag die "falschen Eindrücke" wieder aufklären.

Vor den Anschlägen habe es zwar eine Welle von Warnungen gegeben, räumte Hughes ein, allerdings keine konkreten Hinweise wo und wann die El Kaida zuschlagen werde. Auf die Möglichkeit des Einsatzes von Zivilflugzeugen als Waffen habe es keinen Hinweis gegeben. Vorwürfe von Clarke, dass sich Rice in ihrem Spezialgebiet Russland profilieren wollte und andere Sicherheitspolitik-Aspekte, etwa islamistischen Terrorismus, vernachlässigte wies Hughes zurück. Ihre absolute Loyalität gegenüber Präsident Bush bekräftigte Hughes schließlich durch die Aussage, sie werde dem Präsidenten zwar im Privaten ihre Meinung sagen und auch widersprechen, "aber ich werde dies nicht öffentlich tun". (APA)

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