Entwicklungsländer erhalten preiswerte Hilfe gegen Aids

7. April 2004, 16:02
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Eine Vereinbarung der Clinton-Stiftung mit mehreren Pharmaunternehmen macht es möglich

Die Gesundheitsverwaltungen von mehr als 120 Entwicklungsländern können Aidsmedikamente und pharmazeutisches Material für HIV-Tests künftig zu erheblich reduzierten Preisen einkaufen. Möglich macht das eine von der "William-J.-Clinton-Stiftung" mit Herstellern ausgehandelte Vereinbarung, teilte die Weltbank am Dienstag in Washington mit. Die Medikamente seien teilweise mit Nachlässen von mehr als 50 Prozent zu haben.

Die Stiftung des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, die als eine ihrer Hauptaufgaben den Kampf gegen die tödliche Immunschwächekrankheit betreibt, hat Preisreduzierungen mit vier indischen Herstellern und einem südafrikanischen Produzenten ausgehandelt. Den Angaben der Weltbank zufolge kostet die Behandlung eines Patienten damit nur noch 140 Dollar (rund 117 Euro) im Jahr, ein Drittel der sonst dafür üblichen Preise. Die Aidstests werden unter anderem von Bayer Diagnostics billiger als üblich angeboten.

Von einer schon im März ausgehandelten Vereinbarung der Clinton-Stiftung mit den Herstellern profitierten bisher 16 Länder in der Karibik und Afrika, dazu zählen Mosambik, Ruanda, Südafrika und Tansania, in diesen Staaten leben ein Drittel der mit HIV infizierten Afrikaner.

Zahlungsgarantien

Ab jetzt können insgesamt 122 Länder die günstigen Konditionen in Anspruch nehmen. Die daran interessierten Regierungen müssen allerdings zunächst Zahlungsgarantien abgeben, langfristige Verträge abschließen und die sichere Verteilung der Medikamente an die Betroffenen gewährleisten. Dabei soll die Weltbank ebenso helfen wie das UN-Kinderhilfswerk Unicef und der Global Fund, eine Initiative von Unternehmern, Regierungen und Organisationen zur Vorbeugung und Behandlung von Aids, Tuberkulose und Malaria.

"Mit diesen Vereinbarungen sind wir einen Schritt weiter, um sicherzustellen, dass künftige Generationen ohne die Aids-Geißel leben können", teilte Clinton in einer Stellungnahme mit.

Frauen mehr gefährdet

Nach Angaben der zuständigen UNO-Behörde Unaids kamen im vergangenen Jahr zu den bereits rund 60 Millionen HIV-Infizierten und Aidskranken weltweit rund fünf Millionen Patienten hinzu, dies bedeute einen Zuwachs von mehr als 13.500 Neuinfektionen pro Tag. Rund drei Viertel aller Infizierten leben in Afrika.

Wie UNO-Generalsekretär Kofi Annan vor kurzem warnte, sind speziell in Afrika Frauen die Hauptleidtragenden von Aids und könnten bald auch die Mehrheit aller Infizierten bilden. Frauen sind laut Annan aufgrund gesellschaftlicher Ungleichheit anfälliger für eine Infektion.

Ein Problem dabei sei auch die "Nötigung durch Männer". Viele etablierte Strategien gegen Aids seien daher nicht geeignet: "Wo sexuelle Gewalt weit verbreitet ist, ist es nutzlos, Enthaltsamkeit oder den Gebrauch von Kondomen zu propagieren", meinte der UN-Generalsekretär.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 4. 2004)

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