Dialyse: In Wien fehlen Plätze und Personal

9. April 2004, 20:04
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Entlastungen schaffen private Dialysezentren

"Ja, die Dialyse wurde ausgebaut, aber sie ist noch nicht in Vollbetrieb." Das wird inoffiziell auch im Kaiser-Franz-Josef-Spital dem STANDARD gegenüber zugegeben. Warum nicht in Betrieb? "Weil wir kein Personal haben." Bereits für November 2004 war die Inbetriebnahme der neuen Dialyseplätze angekündigt worden. Aber leider, wird bedauert, man bekomme kein Pflegepersonal. Das wird auch in der Direktion des Krankenanstaltenverbunds (KAV) bestätigt. Daher könnten in der funkelnagelneuen Station Patienten noch nicht an die lebensrettenden Maschinen zur Blutwäsche angeschlossen werden. Bis Jahresende hofft man, das Problem zu lösen.

Mit dem Problem unbesetzter Stellen wird eine neue Dimension bei der Versorgung von Dialysepatienten deutlich. Schon in den vergangenen Wochen wurde klar, dass es zu wenig Dialysebehandlungsplätze in Wien gibt. Daher wurde unter anderem am AKH und am Sozialmedizinischen Zentrum Ost (SMZ) die viel kritisierte "vierte Schicht" (Behandlung um Mitternacht) eingeführt. Der Vorschlag, es sollten Jungärzte in der Dialysebehandlung einspringen, ist umstritten.

Private Zentren

In den Bundesländern hingegen sind die Dialyseplätze derzeit noch ausreichend. Auch deshalb, weil es nicht so viele Dialysepatienten gebe wie in Wien, argumentiert etwa der Sprecher der Salzburger Spitalslandesrätin Maria Haidegger (VP). Dies habe mit der Alterspyramide zu tun. Gerhard Leitner von der Dialysestation am Grazer LKH weist darauf hin, dass in der Steiermark die Kapazitäten in den öffentlichen Häusern teilweise bereits am Limit sind. Es gebe jedoch Ausweichmöglichkeiten zu privaten Dialysezentren, deren Leistungen über die jeweilige Krankenkasse abgerechnet werden.

"Wir haben in Vorarlberg keinen Notstand, stoßen aber an Kapazitätsgrenzen", sagt auch Primarius Ulrich Neyer, Leiter der Abteilung Nephrologie und Dialyse am LKH Feldkirch. Die Dialysestation in Feldkirch ist mit 18 Plätzen und rund 10.000 Behandlungen jährlich die größte im Bundesland. Auch hier ergänzen zwei private Dialysezentren in Bürs und in Bregenz das Angebot. Über einen Ausbau der Dialysestation Bregenz (aktuell 40 Patienten) wird diskutiert. Neyer: "Eine Erweiterung ist notwendig. Schließlich steigt die Zahl der Dialysepatienten jährlich um sieben Prozent."

Zusatzausbildung notwendig

Der Wiener VP-Gesundheitssprecher Johannes Hahn schlägt auch für die Bundeshauptstadt vor, dass Dialyse besser in Gruppenpraxen von Fachärzten gemacht werden solle. Solche Zentren lägen näher bei den Patienten, Spitäler würden entlastet. FP-Abgeordnete Karin Landauer wendet ein, dass der Personalmangel auch Gruppenpraxen treffe.

Für jene, die Dialysemaschine bedienen wollen, ist nämlich eine Zusatzausbildung notwendig, erklärt Christine Ecker vom Österreichischen Pflegeverband. Das sehe das Gesetz vor: Mindestens 600 Stunden Ausbildung, in Kursen die eineinhalb Jahre dauern, seien erforderlich. (aw, jub, puch, neu/DER STANDARD; Printausgabe, 7.4.2004)

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