Städtische wartet auf ein "Frühlingslüfterl"

20. April 2004, 11:40
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Die Wiener Städtische will ihre HVB-Aktien verkaufen - Die AVZ-Stiftung hält durch und erwarb um 99,4 Millionen Euro neue HVB-Aktien

Wien - Anders als die Gemeinde Wien-nahe AVZ-Stiftung hat die Wiener Städtische, einer der größeren österreichischen Aktionäre der Münchener BA-CA-Mutter HypoVereinsbank (HVB), bei der drei Mrd. Euro schweren Kapitalerhöhung der HVB nicht mitgezogen. "Wir haben keine einzige Aktie gezeichnet", sagte Städtische-Chef Günter Geyer.

Die Beteiligung der Städtischen an der HVB sei damit von etwas mehr als ein Prozent unter die Ein-Prozent-Marke gefallen. Die Städtische, mit der früheren Bank Austria Jahrzehnte lang geschäftlich aber auch über eine Beteiligung eng verbunden, hatte im Frühjahr 2001 ihre Bank Austria-Aktien in HVB-Aktien getauscht. Für die Städtische haben die knapp sieben Millionen HVB-Aktien, die sich zur Zeit in ihrem Bestand befinden, freilich ein Ablaufdatum. "Wir haben nicht vor, unsere HVB-Aktien langfristig zu halten", so Geyer mit Hinweis auf die "nicht so faszinierende" Kursentwicklung in den vergangenen Jahren. Die Städtische musste deshalb ihre HVB-Aktien seit 2001 um fast 300 Mio. Euro wertberichtigen. "Wenn ein Frühlingslüfterl kommt, darf das Vogerl mitfliegen", kündigte Geyer an.

Kapitalerhöhung bei Investoren

Bei ihrer jüngsten Kapitalerhöhung hat die HVB praktisch alle neuen Aktien bei Investoren platziert. Die Platzierung stieß insgesamt auf hohe Nachfrage, wobei Investoren außerhalb Deutschlands besonders reges Interesse zeigten, hieß es. Da die weltgrößte Rückversicherung Münchener Rück als größter HVB-Aktionär ebenso wie zwei bayerische Landesstiftungen bei der Kapitalerhöhung nicht mitzogen, hat sich der Streubesitz deutlich erhöht. Um wie viel wurde nicht gesagt.

Die AVZ-Stiftung hat bei der Kapitalerhöhung der HVB wie angekündigt mitgemacht und für 99,4 Mio. Euro insgesamt 7,1 Mio. neue HVB-Aktien gekauft. Weil die AVZ aber nicht im vollen Ausmaß mitzog, ist ihr Anteil von bisher 5,1 auf 4,5 Prozent gesunken. Die AVZ sei damit weiter zweitgrößte HVB-Aktionärin. Von ihren Bezugsrechten hat die Stiftung rund zwei Drittel ausgenützt.

Vorerst kein Partner

HVB-Chef Dieter Rampl, der sich in der Vergangenheit für einen Zusammenschluss mit einer anderen Bank aussprach, will das nun vorerst doch nicht. Rampl sagte der Süddeutschen Zeitung, die HVB werde sich voll auf die Steigerung der Erträge konzentrieren. Auf die Frage, ob die HVB zunächst alleine bleiben wolle, sagte Rampl: "Zunächst auf jeden Fall." Die HVB war zuletzt immer wieder als ein Kandidat für einen Zusammenschluss mit der Commerzbank genannt worden. Im Vorjahr hatte die Bank ihre Bilanz bereinigt und durch hohe Abschreibungen einen Verlust von 2,6 Mrd. Euro ausgewiesen. Am grünen Tisch lasse sich der Nutzen von großen Fusionen immer leicht ausrechnen, meinte Rampl. "Aber in der Umsetzung ist es viel schwieriger. Es kommt oft weniger heraus als geplant beziehungsweise es dauert alles länger als gedacht." Schließlich sei in einem solchen Fall immer ein großer Teil der Mitarbeiter damit beschäftigt, den Zusammenschluss abzuarbeiten. (DER STANDARD Printausgabe, 7.4.2004, APA, cr)

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