Orchestrales Dauerbrennen

9. April 2004, 22:54
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Christian Mühlbacher mit "05.04.04" im Porgy & Bess - Das ungewöhnliche Orchester tritt dort jedes Jahr am gleichen Tag in Erscheinung

Wien - An sich ist Christian Mühlbacher ja als Co-Leader der Bigband Nouvelle Cuisine bekannt. Seit Jahren indessen leitet er, der als Komponist auch für das Klangforum Wien und das Mozarteum-Orchester schrieb, ein ungewöhnliches Orchester.

Ungewöhnlich erstens, weil es sich nicht als Orchester betitelt, sondern mit einer quasidemokratischen Namenswurst. 1997, anlässlich der "Gründung", nannte man sich Mühlbacher/Hautzinger/Molinari/Dafeldecker/Kövesdi/Jäger/Schrenk/Kugi/Balasch/Kero/Maass. Zweitens tritt jene Formation exakt einmal pro Jahr in Erscheinung, immer im Porgy & Bess, und am immer gleichen Tag: Am 5. April nämlich, an dem sich Mühlbachers Geburt mit erstaunlicher Regelmäßigkeit jährt. Und nicht nur, um erneut Töne auszusenden, sondern um auch die des alten Jahres in Gestalt eines CD- und DVD-Dokuments (Extraplatte) der Nachwelt zu überreichen.

Montags war es wieder soweit. Das diesmal auf Mühlbacher/Hautzinger/Soomary/ Voglmayr/Gaiswinkler/Hornek/Pfistermüller/Raab/Machacek/Jäger/Preinfalk/Petermichl/Kövesdi/Schuller/Bandeira/Wysoudil lautende Musiker-Akkumulat trat an - doch das ist euphemistisch formuliert: Mühlbacher hatte eine zweistündige Tour de force durch Landschaften komponiert, kontrastreiche Bildsequenzen zwischen impressionistischer Introspektion und funk- und rocklastiger Groovyness, in der die Nostalgie-Geister von Blood, Sweat & Tears sowie des Bitches Brew-Miles beschworen wurden.

Zwischendurch rückte ein Alphorntrio ins Hörfeld, sinnigerweise, lautete das Motto doch "Rocks & Mountains": Über den Bühnenhintergrund flimmerten Bergpanoramen, Wasserläufe, anonyme Wüsteneien - Bilder, zu denen die Musik immer wieder Berührungspunkte suchte, um dann den assoziativen Brückenbau wieder der Imagination zu überlassen.

Nach zwei Stunden musikalischer Gipfelstürme und Talfahrten herrschte allseits Erschöpfung, offenbar bewusst, ist doch die Regenerationsphase bis zum 05.04.05 eine (allzu) lange. (felb/DER STANDARD, Printausgabe, 7.4.2004)

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