"Etikettenschwindel" bei Medikamentenkosten

8. April 2004, 18:05
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Pharmig wehrt sich gegen "Bummerl"

Wien - Das am Dienstag erschienene STANDARD-Interview mit Hauptverband-Geschäftsführer Josef Kandlhofer sorgt für heftige Reaktionen der Pharmaindustrie. Kandlhofer hatte die Steigerung bei den Medikamentenkosten als Hauptursache für die Finanzkrise im Gesundheitsbereich verantwortlich gemacht.

"Das ist schlicht und einfach absurd", weist Pharmig-Geschäftsführer Erhard Geisler jede Schuld von sich. Bei einer Einnahmensteigerung um 3602 Millionen Euro in den vergangenen zehn Jahren, kombiniert mit einem Ausgabenzuwachs um 191 Millionen Euro, sei die Aussage Kandlhofers "ökonomisch, statistisch und gesundheitspolitisch nicht vertretbar".

Das Rechnen in Prozenten ist für Geisler zudem klarer "Etikettenschwindel". Vor allem, da die von Kandlhofer genannte 150-prozentige Ausgabensteigerung für Arzneimittel "nur durch Zuhilfenahme des Zusatzpostens Mehrwertsteuer" zustande komme.

Auch der Vorwurf, nur ein geringer Teil an neuen Medikamenten stelle tatsächlich eine medizinische Innovation dar, ist für Geisler "absolut ungerechtfertigt." In den letzten Jahren hätten aber ohnehin verstärkt Generika Eingang in das Heilmittelverzeichnis gefunden. Und es sei ein "Mythos" zu glauben, dass man mit Generika das Gesundheitssystem sanieren kann, sagt Geisler. Den zugesagten Solidaritätsbeitrag will die Pharmig nur leisten, "wenn die Gesundheitsreform tatsächlich ihren Namen verdient". (kmo/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.4.2004)

Siehe

Wir würden im Geld schwimmen"

Josef Kandlhofer, Sprecher der Hauptverbands- Geschäftsführung, im STANDARD-Interview: Medikamentenkosten als "Verhängnis" im Gesundheitssystem

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