Italien: Umberto Bossi aus dem Koma erwacht

7. April 2004, 19:47
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Lega-Nord-Chef könnte in Innsbruck rehabilitiert werden - Belastete Rechtskoalition - Mit Kommentar

Fast einen Monat nach seiner schweren Herzattacke ist Lega-Nord-Chef Umberto Bossi aus dem Koma erwacht. Das Krankenhaus von Varese teilte in einem ärztlichen Bulletin mit, Bossi sei wieder bei Bewusstsein und habe seine Familienangehörigen erkannt. Der 62-jährige Minister für Reformen kann noch nicht sprechen und wird zeitweise noch immer künstlich beatmet. Die behandelnden Ärzte teilten mit, Bossi könne den rechten Arm und das rechte Bein bewegen, während es mit der linken Körperhälfte noch Probleme gebe.

Die Nachricht über die Besserung seines Gesundheitszustands löste bei den Lega-Anhängern Euphorie aus. Der Parteisender Radio Padania und die gleichnamige Zeitung wurden mit Anrufen überhäuft. "Lasst uns seine Stimme hören", forderten Bossi-Fans. Vor dem Krankenhaus entfalteten Leghisti ein Transparent mit der Aufschrift "Umberto, du verkörperst uns alle!"

Doch die von mehreren Lega-Politikern geäußerte Hoffnung, Bossi könne bereits im Mai im Wahlkampf mitmischen, stößt bei den Ärzten auf große Skepsis. Der Patient bedürfe nach seiner Entlassung aus der Intensivstation der neurologischen Abteilung einer mehrwöchigen Rehabilitation, die in Lecco oder in Innsbruck erfolgen soll. Erst dann lasse sich Näheres über den Heilungsprozess bei dem norditalienischen Politiker sagen.

Trotzdem erwägt die Parteiführung, Umberto Bossi bei den bevorstehenden Europawahlen als Spitzenkandidat der Lega Nord ins Rennen zu schicken. Die Entscheidung der Lega, bei den Gemeinde-und Provinzwahlen eigene Listen aufzustellen, belastet zunehmend das Verhältnis zu Forza Italia. Vor allem in Mailand befürchtet die Partei von Regierungschef Silvio Berlusconi eine Niederlage.

Distanz zu Berlusconi

Hatte bisher das Naheverhältnis zwischen Bossi und dem Ministerpräsidenten alle Risse zwischen den Koalitionspartnern gekittet, wird der Ton jetzt deutlich kühler. Justizminister Roberto Maroni, der als möglicher Bossi-Nachfolger die Sympathie der meisten Lega-Anhänger genießt, geht zunehmend auf Distanz zu Berlusconi, dem er "Bevormundung" und "Selbstherrlichkeit" vorwirft. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.4.2004)

Von Gerhard Mumelter aus Rom

Kommentar

"Ordnungsfaktor" Bossi
von Christoph Prantner

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    Reformen-Minister Umberto Bossi.

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