"Der UN-Plan ist besser als sein Ruf"

8. April 2004, 13:44
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Schlechte Aussichten für Überwindung der Inselteilung drei Wochen vor den Volksabstimmungen über den UNO-Plan - Doch es gibt noch Hoffnung

Alekos ist Grieche, 49 Jahre alt. Zusammen mit seiner Familie hat er sich aus Limassol auf den Weg gemacht, um sein altes Haus im Ort Karmi zu besuchen. Karmi ist ein schmuckes Bergdorf am Nordhang des Besparmak-Höhenzuges, der sich über den gesamten Nordostzipfel der Insel zieht. Als die Griechen das Dorf 1974 verlassen mussten, gab es hier nur wenige ärmliche Häuser, die sich mittlerweile in feine Villen verwandelt haben. Im Ort wohnen fast nur noch Briten und Deutsche.

Die Chancen für Alekos, sein ehemaliges Haus zurückzubekommen, stehen in jedem Fall schlecht. Trotzdem sind er und seine ganze Familie für den Plan. "Ich glaube, dass dieser Plan die einzige Chance ist, auf Zypern einen neuen Anfang zu machen", ist er überzeugt. "Wir brauchen dieses Haus nicht mehr, aber wir lieben unsere alte Heimat hier auf dem Besparmak."

Alekos würde nicht wieder nach Karmi zurückziehen wollen: "Ein Wochenendhaus ja, aber ansonsten würde doch keine Familie, die nun in Nikosia, Limassol oder Larnaca lebt, in das Dorf zurückkehren, aus dem sie vor 30 Jahren weggegangen ist."

Andreas Paraschos, Chefredakteur von Politis, einer der größten Tageszeitungen im griechischen Süden, und Befürworter des Annan-Plans, ist guter Hoffnung, dass sich die ablehnende Haltung der Griechen in den nächsten drei Wochen ändert. "Das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, ist auch ein Ergebnis der Falschinformation durch die Leute unseres Präsidenten Tassos Papadopoulos. Wenn die Leute jetzt den Plan lesen, werden sie merken, dass er besser ist als sein Ruf."

Politis hat bereits vorgerechnet, dass nach dem Plan griechische Flüchtlinge mehr als die Hälfte ihres ehemaligen Grundbesitzes zurückbekommen und für den Rest Entschädigungen geltend machen können. Das entspricht einem Wert von mehr als drei Milliarden Dollar. "Warum sollen die Leute das zurückweisen?" Die Gesamtkosten der Vereinigung werden auf bis zu zehn Milliarden Euro geschätzt.

Das Problem für Journalisten wie Andreas Paraschos ist, das sie bei allem, was sie schreiben, das Prinzip der kommunizierenden Röhren berücksichtigen müssen. Je lauter sie die griechischen Vorteile preisen, umso mehr Argumente liefern sie den Neinsagern auf der anderen Seite und umgekehrt. Das Schlimmste für die Pro-Griechen wäre deshalb, wenn der Dauerneinsager auf türkischer Seite, Rauf Denktaş plötzlich für den Plan wäre. "Zum Glück" so Paraschos, "bleibt Denktaş bei seiner Nein-Kampagne."

Auf der türkischen Seite würde etwas mehr Zurückhaltung von Denktaş dagegen die "Ja-Kampagne" sehr erleichtern. Was Paraschos seinen Lesern als Zustimmungsgrund offeriert, macht den Befürwortern auf türkischer Seite das größte Kopfzerbrechen.

In den abschließenden Verhandlungen in der Schweiz hat die türkische Seite dafür, dass der Zuzug von Griechen im verbleibenden türkischen Kanton zunächst auf 18 Prozent begrenzt wird, erhebliche territoriale Zugeständnisse gemacht. Das Ergebnis ist, dass nun innerhalb der nächsten drei Jahre rund 58.000 Menschen umgesiedelt werden müssen - bei einer Gesamtbevölkerung von rund 200.000 mehr als ein Viertel. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.4.2004)

Von Jürgen Gottschlich aus Nikosia
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    85 Prozent der griechischen Zyprioten würden laut Umfragen bei den Referenden über den UN-Plan zur Wiedervereinigung mit "OXI" - Nein - stimmen.

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