Arbeitsmarkt bleibt ein Jammertal

18. April 2004, 19:32
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Die Arbeitslosenquote erreichte mit 7,8 Prozent ihren höchsten Wert seit 1996 - Derzeit sind 310.000 auf der Suche nach einem Job

Wien - Drei Jahre schon steigen Monat für Monat die Arbeitslosenzahlen, doch es kann immer noch schlimmer kommen. Nach einem Anstieg um 2,9 Prozent im Jänner und einem Plus von 2,5 Prozent im Februar - die Regierung hatte daraus bereits eine Trendumkehr abgelesen - stieg die Arbeitslosigkeit im März neuerlich um 5,5 Prozent auf 267.195 Personen. Das entspricht einem Anstieg um fast 14.000 Betroffene. Rechnet man die Schulungsteilnehmer hinzu, suchen derzeit rund 310.000 Österreicher und Österreicherinnen einen Job.

Damit hat die März-Arbeitslosigkeit mit 7,8 Prozent (nach nationaler Berechnung) den höchsten Wert seit 1996 erreicht. Im März 2003 lag die Arbeitslosenquote bei 7,4 Prozent. Die Quote nach EU-Berechnung betrug 4,5 Prozent, nach 4,3 im Vorjahr.

Keine Erholung

Angesichts der weiterhin flauen Konjunktur ist eine Entspannung derzeit nicht absehbar. Wifo-Experte Markus Marterbauer sagte im Gespräch mit dem STANDARD: "Bis ins Jahr 2005 hinein ist keine Erholung in Sicht. Derzeit steigt die Arbeitslosigkeit sowohl wegen des schwachen Wachstums als auch wegen der regen Ausweitung des Arbeitskräfteangebotes."

Die Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters, das großzügige Saisonierkontingent sowie zahlreiche automatische Arbeitsgenehmigungen für Migranten, die länger als fünf Jahre in Österreich leben, überfordern derzeit den Arbeitsmarkt. Marterbauer: "In einer Phase, wo aufgrund der Konjunkturflaute keine Jobs da sind, ist so eine Entwicklung besonders problematisch."

Wachstum von 2,5 Prozent nötig

Normalerweise, sagen Fachleute, sei ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent nötig, um die Arbeitslosigkeit zu senken. Für heuer erwartet das Wifo jedoch nur ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent und für 2005 eines von 2,3 Prozent. Folgerichtig soll die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2004 und 2005 nochmals ansteigen.

Verschlechtert hat sich die Arbeitsmarktlage im März in allen Bundesländern außer Kärnten und der Steiermark. Ein Drittel aller Arbeitslosen stammt aus Wien.

Auch die Situation auf dem Lehrstellenmarkt bleibt angespannt, obwohl Österreich europaweit die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit aufweist. Die Zahl der Lehrstellensuchenden lag Ende März mit 4168 um 4,7 Prozent über der Vergleichszahl des Vorjahres. Die gemeldeten offenen Lehrstellen haben gleichzeitig um 15,7 Prozent auf 2409 abgenommen.

Weniger Ältere

Leicht gesunken ist die Arbeitslosigkeit bei den Arbeitssuchenden über 50: Dort sank die Zahl der Jobsuchenden um 2854 Personen oder 5,3 Prozent. Bei den 20-bis 24-Jährigen stieg die Arbeitslosigkeit um 4,1 Prozent an, bei den 25- bis 49-Jährigen gar um 9,9 Prozent.

Interessant ist das Auseinanderdriften zweier Gruppen auf dem Arbeitsmarkt. Rund ein Viertel aller Arbeitslosen haben eine Wiedereinstellungszusage, ein Anstieg um 35 Prozent. Diese Arbeitslosen sind nur sehr kurzfristig ohne Job. Gleichzeitig stieg die Zahl der Langzeitarbeitslosen - länger als ein halbes Jahr ohne Arbeit - um 30 Prozent.

Wenigstens eine gute Nachricht wollte das Wirtschaftsministerium anbieten: Die Probleme des Arbeitsmarktservice mit seiner EDV-Umstellung seien gelöst. Alle Arbeitslosengelder wurden bereits pünktlich über das Bundesrechenzentrum angewiesen, sagte AMS-Sprecherin Beate Sprenger. (Michael Bachner, DER STANDARD Printausgabe, 7.4.2004)

  • Österreich befindet sich im vierten Jahr steigender Arbeitslosigkeit, auch der März bildete da keine Ausnahme
    montage: derstandard.at

    Österreich befindet sich im vierten Jahr steigender Arbeitslosigkeit, auch der März bildete da keine Ausnahme

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