Klasnic versucht Befreiungsschlag

7. April 2004, 19:00
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Mit unkonventioneller Paierl-Nachfolge soll Parteikrise entschärft werden

Graz - Mit einer unkonventionellen Personalentscheidung will die steirische ÖVP- und Landeschefin Waltraud Klasnic - so wird es an der Parteispitze kolportiert - die Luft aus der innerparteilichen Krise nehmen. Einer Krise, die Klasnic und auch Bundeskanzler Wolfgang Schlüssel ("Klasnic hat die Zügel fest in der Hand") offiziell allerdings vehement in Abrede stellen.

Inwieweit sich Klasnic vom innerparteilichen und medialen Druck, der zum Rücktritt ihres Finanz- und Wirtschaftslandesrates Herbert Paierl geführt hatte, freimachen kann, wird ihre Nachfolgeentscheidung, die sie am Donnerstag den Parteigremien bekannt geben will, zeigen.

Überraschungskandidat

Es werde, so ist aus höchsten Parteikreisen zu erfahren, aber niemand der jetzt gehandelten Kandidaten infrage kommen. Weder der Grazer Wirtschaftsinformatiker Wolf Rauch, noch Raiffeisen-General Georg Doppelhofer oder Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. Und auch nicht VP-Generalsekretär Reinhold Lopatka.

Es werde "jemand sein, der im derzeitigen politischen Umfeld noch nie aufgetaucht ist", heißt es in Insiderkreisen. "Waltraud Klasnic spielt nicht nur mit Figuren, die auf dem Spielfeld sind", glaubt ein VP-Politiker zu wissen. Hauptkriterium des Anforderungsprofils für den neuen Landesrat: Es müsse jemand sein, der in keine Verbindung zum Skandal um den Landesenergiekonzern Estag, der die Parteikrise ausgelöst hatte, gebracht werden könne.

Kein "Strahlemann"

Sie werde auch keinen "Strahlemann" präsentieren. Klasnic habe "von politischen Inszenierungen" genug. Der theatralische Auftritt des ehemaligen Landesrates und aus der Estag gefeuerten Exvorstands Gerhard Hirschmann vor dem Untersuchungsausschuss habe "ihr gereicht".

Parallel zur Neubesetzung in der VP-Regierungsriege plant Klasnic dem Vernehmen nach auch eine Neuverteilung in den Ressorts der Landesregierung. So sollen die Wirtschaftsbeteiligungen des Landes - darunter auch die skandalumwitterte Estag - zur Chefinnensache gemacht werden. In der Folge könnte der jetzige Tourismuslandesrat Hermann Schützenhöfer die Landesfinanzen übernehmen. (Walter Müller, DER STANDARD Printausgabe, 7.4.2004)

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