Schiitenführer: Aufstand wird fortgesetzt

7. April 2004, 15:30
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US-Dilemma: Um Muktada al-Sadr zu verhaften, müsste eine Moschee erstürmt werden - Dutzende Tote bei Gefechten

Bagdad - Knapp drei Monate vor der geplanten Rückgabe der Souveränität an die Iraker ist die Lage im Irak völlig unübersichtlich: Der radikale Schiitenführer Muktada al-Sadr kündigte einen Aufstand gegen die Besatzungstruppen im Irak an. Sadr verließ am Dienstag sein Quartier in der Stadt Kufa. Bewacht von Hunderten bewaffneten Anhängern hatte er sich dort zwei Tage lang in einer Moschee verschanzt, nun hält er sich offensichtlich in Najaf in der Imam-Ali-Moschee auf.

Ein Vertrauter Sadrs, Kays al-Khasali, forderte am Dienstag den Rückzug der US-Armee, bis dahin werde der Aufstand weitergehen. Zudem verlangte er die Freilassung aller Gefangenen. Khasali verlas eine Erklärung Sadrs, in der dieser US-Präsident George W. Bush und die US-geführte Besatzung im Irak heftig kritisierte.

Drei tote US-Soldaten

"Wenn die Amerikaner versuchen, ihn festzunehmen, werden wir alles explodieren lassen", sagte einer seiner Anhänger im Bagdader Armenviertel Sadr-City. Wegen der mutmaßlichen Verantwortung für die Ermordung des schiitischen Geistlichen Abdul Majid al-Khoei vor einem Jahr hatte die US-Zivilverwaltung Haftbefehl gegen Sadr erlassen und einen seiner Mitarbeiter, Mustafa Yakubi, verhaftet. Dies hatte neben der Schließung einer radikalen Zeitung am Sonntag die Unruhen ausgelöst.

Beim Versuch, Büros Sadrs in Bagdad zu stürmen, kamen am Dienstag in Bagdad drei US-Soldaten ums Leben, laut CNN wurden 60 Iraker in Sadr-City getötet. In Nasiriya im Südirak lieferten sich Sadr-Leute ein mehrstündiges Gefecht mit rund 500 italienischen Besatzungssoldaten.

Offensive in Falluja

Daneben dürfte eine amerikanische Offensive im sunnitischen Dreieck - in Falluja, wo vergangene Woche vier Amerikaner ermordet und ihre Leichen geschändet wurden - laufen, auch dabei wurden vier US-Marines getötet. Die Informationen sind spärlich. Angesichts der verheerenden Sicherheitslage hat das UNO-Flüchtlingshilfswerk die Rückführung irakischer Flüchtlinge aus dem Iran vorübergehend eingestellt. (Ansa, AP, dpa, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 7.4.2004)

Am dritten Tag der Schiitenunruhen im Irak stehen die US-Besatzer vor einem Dilemma: Wenn ihre Truppen des jungen Schiitenführers Muktada al-Sadr habhaft werden wollen, müssen sie eine Moschee stürmen.
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine selbstgebastelte Bombe in den Straßen von Falluja

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