SFOR-Sprecher: Werden Fahndung nach Karadzic fortsetzen

7. April 2004, 13:40
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29 Angeklagte seit 1995 nach Den Haag überstellt - Keine einzige Festnahme durch bosnisch-serbische Behörden

Belgrad/Sarajewo - Die internationalen Friedenstruppen in Bosnien-Herzegowina (SFOR) würden die Fahndung nach dem früheren bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic fortsetzen, wann immer sich dafür Gelegenheit biete. Das kündigte SFOR-Sprecher Dave Sullivan am Dienstag in Sarajewo an.

Bosnien stehe vor einer einfachen Wahl: Karadzic oder Europa, sagte Sullivan. Karadzic bedeute das Verbleiben in der Vergangenheit, ein Netz von Kriminalität, Korruption und Betrug, das jeden wirtschaftlichen Fortschritt drossle. Europa bedeute andererseits Arbeitsplätze, eine Hebung des Lebensstandards und eine Chance für Bosnien-Herzegowina, sich als neuer europäischer Staat zu entwickeln, sagte der SFOR-Sprecher. Der 1996 untergetauchte Karadzic halte alle Bürger Bosnien-Herzegowinas in Geiselhaft, betonte Sullivan.

SFOR-Truppen hatten am 1. April in der einstigen bosnisch-serbischen Hochburg Pale unweit von Sarajewo eine umfangreiche, aber ergebnislose Fahndung nach Karadzic durchgeführt. Zwei serbisch-orthodoxe Priester wurden dabei schwer verletzt und schweben Medienberichten vom Dienstag zufolge noch immer in Lebensgefahr.

In Bosnien-Herzegowina wurden seit dem Kriegsende vor neun Jahren 29 mutmaßliche Kriegsverbrecher festgenommen und an das Haager UNO-Tribunal überstellt. Die bosnisch-serbischen Behörden nahmen bisher allerdings keine einzige Festnahme vor.

Die SFOR-Truppen haben die Bevölkerung der Republika Srpska unterdessen in TV-Spots um Hinweise gebeten, die eine Festnahme der vor dem UNO-Tribunal Angeklagten - allen voran Karadzics selbst - ermöglichen würden. "Ihre Festnahme ist nur noch eine Frage der Zeit. Wir werden uns bald sehen", heißt es in dem Spot. (APA)

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