Sudan: Menschenrechtler warnen vor Völkermord

7. April 2004, 13:11
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Internationales Eingreifen gefordert

Kairo/Göttingen - Zehn Jahre nach dem Völkermord in Ruanda warnen Menschenrechtler vor einem neuen Blutbad in Sudan. Die internationale Gemeinschaft müsse umgehend im Westen des afrikanischen Landes eingreifen, um weitere Massenvertreibungen und Massentötungen zu verhindern, forderte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) mit Sitz in Göttingen am Dienstag.

"Während die internationale Gemeinschaft des Völkermords in Ruanda gedenkt und es bereut, nichts zur Rettung der Tutsi-Minderheit unternommen zu haben, erreicht der Genozid im Westsudan seinen Höhepunkt", erklärte GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch. "Wieder werden vor aller Augen ungeheuerliche Verbrechen verübt." Hunderttausende Menschen seien auf der Flucht. Eine Million Menschen drohten zu verhungern, weil die sudanesische Regierung humanitäres Völkerrecht missachte und Hunger als Waffe einsetze. Die arabische Regierung in Khartum weist solche Vorwürfe zurück und macht die schwarzafrikanischen Rebellen in Darfur für das Blutvergießen verantwortlich, die sich vor rund einem Jahr gegen die Streitkräfte und deren paramilitärische Anhänger erhoben.

Darfur sei "eine weitere schwere humanitäre Krise, auf die die Welt nicht schnell genug reagiert", beklagte am Dienstag David Mozersky von der International Crisis Group (ICG), einer multinationalen Initiative zur Eindämmung von Konflikten. Die Regierung setze auf eine Strategie, den Zugang für Hilfsorganisationen und Journalisten in die Krisenregion zu beschränken, erklärte Leslie Lefkow, Mitarbeiterin von Human Rights Watch. "Man sieht keine Fotos von den toten Kindern und vergewaltigten Frauen. Diese würden meiner Ansicht nach für mehr Aufmerksamkeit sorgen."

Menschenrechtler prangern unter anderem Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen, Übergriffe auf Flüchtlinge, Entführungen von Kindern, Brandschatzungen und Plünderungen von Dörfern sowie mutwillige Tötungen von Vieh an. Vor allem Milizen seien für die Gräueltaten an der Zivilbevölkerung verantwortlich. Die Regierung ermutige sie offenbar dazu, um die nicht-arabischen Bewohner aus der Region zu vertreiben, erklärten UN-Menschenrechtsexperten.

Die Kämpfe haben nach Angaben des UN-Untergeneralsekretärs für humanitäre Angelegenheiten, Jan Egeland, schon rund 750.000 Menschen aus ihren Dörfern vertrieben, Zehntausende weitere suchten Zuflucht in Tschad. Trotz indirekter Friedensgespräche zwischen Regierung und Rebellen zeichnet sich keine Lösung ab. (APA/AP)

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