Beim Wettbewerb drückt die Händler der Schuh

14. April 2004, 10:57
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Ein Salzburger Schuhhändler hat mit seinen niedrigen Preisen den Rest der Branche und die Wettbewerbshüter alarmiert

Wien – "Wir untersuchen die ganze Branche. Da stinkt einiges", sagt Stefan Keznickl von der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB). Der kleine Salzburger Schuhhändler Schuh- Braun hat sich an die BWB gewandt, weil er aufgrund von Preisnachlässen, die er unter dem "empfohlenen Einkaufspreis" gewährt hatte, einen Lieferboykott hinnehmen muss.

Und zwar noch immer, obwohl diese Praktik bereits im Jahr 2001/02 von einem Grazer Gericht untersagt worden war. Damals war Stiefelkönig aufgefordert worden, dies zu unterlassen. Der Aufruf zum Lieferboykott war damals an etwa hundert Unternehmen (Lieferanten, Händler) gegangen.

Uneinheitliche Preise

Nun aber beklagt Martin Braun von Schuh-Braun, dass er weiterhin seinen Schuhbedarf nicht von heimischen Schuhproduzenten und Großhändlern decken könne, sondern umständliche Parallelimporte "aus anderen Kanälen", beispielsweise aus Deutschland und Italien, tätigen müsse.

Schuh-Braun verkauft seine Ware bis zu 25 Prozent unter dem unverbindlichen Verkaufspreis. Außerdem, kritisiert Braun, gebe es unterschiedliche Preisvorgaben für Deutschland und Österreich, "und raten Sie mal, welche höher sind". EU-Recht sei aber ein einheitlicher Preis innerhalb der ganzen EU (abgesehen von unterschiedlichen Steuersätzen).

Druck auf Händler

"Da wird offenbar auf einige Einzelhändler Druck ausgeübt, dass sie gewisse Preise einhalten", bestätigt Keznickl. "Die Wettbewerbsbehörde hat Hinweise, dass es weiterhin Absprachen gibt." Er spricht von mindestens einem weiteren Fall eines Lieferboykotts, wollte aber wegen seiner laufenden Recherchen keine Namen nennen. Die BWB hat in der Vorwoche begonnen, österreichische Händler und Produzenten in der Sache zu interviewen.

Grundsätzlich, meint Keznickl, sei gegen empfohlene Endverkaufspreislisten nichts einzuwenden, aber es dürfe auch nichts machen, wenn sich ein Händler nicht daran hält.

Härtere Maßnahmen drohen

Sollten sich die beteiligten Firmen nicht am runden Tisch einigen, wolle er auch mit härteren Maßnahmen auffahren. Absprachen über Lieferboykotte fielen nämlich unter das Kartell- bzw. das Missbrauchsverbot und können mit Geldbußen zwischen 10.000 Euro und zehn Prozent des Umsatzes geahndet werden. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD Printausgabe, 7.4.2004)

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    Günstig beschuht aus einem bestimmten Geschäft in die Saison zu gehen, das darf von Mitbewerbern nicht verhindert werden

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