Barolo und Brunello werden wieder billiger

14. April 2004, 10:56
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"Raubkopien" lassen Italiens Wein-Exporte sinken - Wachsende Konkurrenz aus Südafrika, Kalifornien, Australien und Chile

Verona – Ein neues Schlagwort beherrschte die diesjährige Vinitaly, Europas größte Weinmesse in Verona: Preis-Leistungs-Verhältnis. Wachsende Konkurrenz aus Südafrika, Kalifornien, Australien und Chile bremsen die preisliche Superlativwelle im italienischen Weinszenario deutlich.

Im Vorjahr schnalzten die Preise noch um bis zu 25 Prozent hinauf, jetzt spricht man von stabilen bis leicht rückläufigen Preisen. Weine aus Sizilien und Apulien, die nur mehr bis zu sieben Euro pro Flasche kosteten, waren der Messehit. Hingegen hatten die Edelhersteller von Barolo und Brunello Schwierigkeiten, ihre 100-Euro-Flaschen an den Mann zu bringen.

Umsatz versechsfacht

Den Sizilianern hingegen gelang es, ihre ehemalige Schnittweinproduktion binnen weniger Jahre in Qualitätsprodukte im Mittelpreissegment umzuwandeln. Mit neuen Rebstöcken und einem aus Norditalien "importierten" Önologen hat etwa Winzer Diego Cusumano innerhalb von vier Jahren nicht nur die Produktion voll umgekrempelt, sondern auch den Umsatz auf 5,4 Mio. € versechsfacht. Relativ geringe Lohnkosten und das günstige Klima ermöglichen es den Sizilianern, der Konkurrenz aus Übersee Paroli zu bieten.

"Raubkopien" bremsen US-Absatz

Den Absatz am Wachstumsmarkt USA bremste nicht nur der schwache Dollar, sondern auch "Raubkopien". So beliefen sich 2003 die italienischen US-Ausfuhren auf 397 Mio. Dollar, die verkauften "italienischen" Weinmarken made in Argentinien, Südafrika oder Australien erreichten einen Umsatz von 546 Mio. Dollar.

Vorschub leistet dem auch das neue EU-Weingesetz, das es Weinbauern in Drittländern mit zehnjähriger Produktionserfahrung erlaubt, unter bestimmten Vorbehalten Weine "made in Italy" oder "Europe" nachzuahmen.

Erzeugung gesunken

Die Folgen: Trotz des hervorragenden Weinjahrs 2003 sank die Weinerzeugung um vier Prozent auf 44,1 Mio. Hektoliter, die Exporte brachen um 17 Prozent ein. (DER STANDARD Printausgabe, 7.4.2004)

Thesy Kness-Bastaroli
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    Italiens Winzer rutschten von Platz zwei auf Platz drei der Weltrangliste ab - Zu schaffen machen den teuren Italienern Weine aus Südafrika und Chile

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