"Die Festung" muss sich für Auslandsinvestoren öffnen

27. Juli 2004, 17:41
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Im Auftrag des Premierministers stehen für mutige Investoren aus dem Ausland die Türen offen

Tokio – Schon aus der Geschichte erklärt sich das Selbstverständnis Japans als autarke Insel, auf der Fremde – die Gaijin – eine eher untergeordnete Rolle spielten. Dementsprechend entwickelte sich auch das Wirtschaftssystem nach dem Zweiten Weltkrieg: Das japanische Exportwunder lieferte Autos und Elektronik in die ganze Welt, schottete aber seinen eigenen Markt völlig ab.

Zunehmende Isolation

Nun, in Zeiten der Globalisierung, fühlt sich Japan zunehmend isoliert: Die EU wächst zu einem Bündnis von 25 Staaten, die Nafta wird zu einer Nord- und Südamerika umfassenden Freihandelszone, und Japan muss mehr oder weniger zusehen.

Ein Weg, um aus dieser Isolation zu gelangen, ist Öffnung des Landes gegenüber ausländischen Investoren. Premierminister Junichiro Koizumi legte höchstpersönlich das Ziel vor, welches nun von sämtlichen Ministerien eifrigst verfolgt wird: Der Anteil an den ausländischen Direktinvestitionen in Japan hat sich in den nächsten drei Jahren zu verdoppeln – ein Ziel, das nicht so schwer zu erreichen sein sollte, denn Japan liegt im internationalen Vergleich weit abgeschlagen.

Gute Chancen

Die Chancen, die sich Unternehmen bieten, sind zur Zeit nicht schlecht, bestätigt der Österreicher Michael Reiterer, stellvertretender Leiter der EU-Delegation in Japan. "Es gibt relativ billige Investments." Oft sei die Beteiligung an einem japanischen Unternehmen oder die Übernahme billiger als der Neueintritt in den Markt Japans. Und der bietet vor allem im Konsumbereich exzellente Chancen, wie etwa der Chef von Ikea Japan, Tommy Kulberg, bestätigt: "Wir müssen Märkte und Produkte etwas für den japanischen Markt adaptieren. Aber die Möglichkeiten, die es hier gibt, sind wunderbar." Auch im Lebensmittel- und Finanzdienstleistungsbereich sind bereits einige europäische Unternehmen erfolgreich in Japan tätig.

Trendscouts drängen

Vor allem in den boomenden Mode-, Unterhaltungs- und Kulturbereich drängen Trendscouts aus aller Welt. "Ein Franzose führt für 1000 Dollar pro Tag Unternehmer durch die Szene", berichtet Reiterer von geschäftstüchtigen Beispielen.

Japan selbst will Unternehmen mit neuen, speziellen Freihandelszonen und deutlichen Erleichterungen in der Administration ins Land holen. So sollen an "One-Shop- Stops" fast alle Behördenwege auf einmal erledigt werden können. Bei den Freihandelszonen sollen verschiedenste Modelle nebeneinander geschaffen werden: Jeweils zehn Deregulierungen (etwa Öffnungszeiten, Arbeitsmarkt, Steuern, etc.) sollen eine Freihandelszone bilden. Am Hafen von Osaka würde sich dann eine Zone finden, deren Eigenheiten vor allem Frachtunternehmen zugute kommen, während in Kioto eine Zone geschaffen werden könnte, die eher forschenden Unternehmen hilft.

Umsetzung braucht Zeit

Bis alles wie versprochen funktioniert, könnte es allerdings noch einige Zeit dauern: "Im Bereich der Ministerien und der Regierung läuft alles. Doch bis sich das alles bis in die letzte Präfektur (Landesbehörde) durchgesprochen hat, kann noch Zeit vergehen", meint ein EU-Delegationsmitglied. (Michael Moravec, DER STANDARD Printausgabe, 7.4.2004)

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