"Eine Minute mehr oder weniger wird niemanden arm oder reich machen"

14. April 2004, 10:56
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Tele2-Chef Norbert Wieser im Gespräch mit dem WebStandard über neue Festnetzpreise ins Ausland - 9,9 Cent in alle Nachbarländer Österreichs

Der alternative Netzbetreiber Tele2 senkt im Zuge der EU-Osterweiterung seine Auslands-Gesprächstarife. Ab 1. Mai kostet die Gesprächsminute rund um die Uhr 9,9 Cent ins Festnetz aller Nachbarländer Österreichs (D, I, CH, FL, CZ, HU, SK, SLO).

Höheres Telefonieaufkommen

Laut einer aktuellen Umfrage von Telemark Marketing in österreichischen Grenzbezirken wird sich mit dem EU-Beitritt von Tschechien, der Slowakei, Ungarns und Sloweniens – parallel zu einer steigenden wirtschaftlichen Zusammenarbeit – auch das Telefonieaufkommen in diese Länder deutlich erhöhen, betont Tele2-Österreich-Geschäftsführer Norbert Wieser im Gespräch mit dem WebStandard.

"Eine Minute mehr oder weniger wird niemanden arm oder reich machen"

Besonders Kleinunternehmen und Privatpersonen können von den neuen Auslandstarifen profitieren, ist sich Wieser sicher. "Nun kann man sich auf die Inhalte der Telefonate konzentrieren, nicht auf deren Kosten", meint Wieser, "denn eine Minute mehr oder weniger wird niemanden reich oder arm machen".

Kein Preiskampf

Einen Preiskampf, wie er in den vergangenen Wochen im Mobilfunkbereich getobt hat (Der Webstandard berichtete), erwartet sich Norbert Wieser im Festnetzbereich aber nicht. Natürlich könne er aber die Reaktionen der Konkurrenz – seien es die der Telekom Austria oder andere Alternative Netzbetreiber – auf die neuen Preise nicht vorhersagen.

Neben den Tarifen in die unmittelbaren Nachbarländer Österreichs senkt Tele2 ab 1. Mai 2004 auch die Tarife nach Polen, in die Türkei und das ehemalige Jugoslawien (Bosnien Herzegowina, Kroatien, Serbien und Montenegro). Festnetz Polen: von 43,6 Cent/Min auf 25,4 Cent (- 42 Prozent); Mobil Polen: von 43,6 Cent/Min auf 28,3 (-35 Prozent); Festnetz Türkei und ehem. Jugoslawien: von 43,6 Cent/Min auf 34,9 Cent (- 20 Prozent).

Was der Kunde will

Tele2 besitzt derzeit etwa 550.000 Kunden und das Wachstum wird auch in Zukunft, wenn vielleicht auch etwas langsamer, weitergehen, betont Norbert Wieser. Dabei setzt Tele2 weniger auf technologische Innovationen, als auf Produkte, die auch tatsächlich vom Kunden gewünscht werden: "Wir folgen dem Bedarf der Kunden und erziehen den Kunden nicht um", sagt der Tele2 Geschäftsführer.

 

Festnetz ohne Konkurrenz

Überhaupt sieht Norbert Wieser die klassische Festnetztelefonie kaum durch konkurrierende Technologie gefährdet. Ihm zu folge sind die Kostenersparnisse bei Voice over IP Telefonie "nicht sensationell", in Spanien brachte diese Technologie für Tele2 keinen "rauschenden Erfolg". Auch vor dem Mobilfunk braucht sich die Festnetztelefonie nicht zu fürchten, denn bei den nationalen Preisen der Festnetzanbieter "können die Mobilen nur davon träumen", schließt Norbert Wieser.(kk)

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  • "Eine Minute mehr oder weniger wird niemanden arm oder reich machen", meint Tele2- Chef Norbert Wieser.
    bild: standard/cremer

    "Eine Minute mehr oder weniger wird niemanden arm oder reich machen", meint Tele2- Chef Norbert Wieser.

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