Verhärtete Fronten im Wiener Kassen-Streit

8. April 2004, 18:05
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Ärztechef Dorner wirft Rauch-Kallat Geringschätzung von Ärzten und Patienten vor - Wirtschaftlichkeits-Hick-Hack zwischen WGKK und SVA

Wien - Im Zwist um die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) hat sich am Dienstag der Tonfall verschärft. Der Wiener Ärztekammer-Präsident Walter Dorner warf Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) Geringschätzung von Ärzten und Patienten vor. Diese wies diese "Unterstellungen" brüsk von sich. Wortgefechte auch zwischen WGKK und Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA): Gestritten wurde, welche der beiden Anstalten kostengünstiger arbeitet.

In einem offenen Brief, in dem er auch erneut die Ablehnung des Vertrags zwischen Ärztekammer und WGKK durch den Verwaltungsrat des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger kritisierte, bezeichnete Dorner die von Rauch-Kallat eingeleitete Sonderprüfung der WGKK als "Ablenkungsmanöver wegen der fehlenden Lösungen auf dem Gebiet der Finanzierung". Die Ideen der Ministerin in diesem Bereich "waren bis dato ineffizient und haben nichts gebracht", so das Urteil des Ärzte-Chefs.

In Richtung Rauch-Kallat verwies Dorner auf notwendigerweise höhere Kosten des Gesundheitssystems einer Großstadt wie Wien. Mit der Frage: "Wäre Ihre Brust keine zweite Untersuchung wert, Frau Minister?", erinnerte er daran, dass man auch bei Vorsorgeuntersuchungen nicht die Mittel kürzen sollte.

In ihrer Replik äußerte Rauch-Kallat ihre Verwunderung über den Brief, "der von unwahren Behauptungen und Unterstellungen Ihrerseits nur so strotzt". Ihr sei das Gesundheitssystem nicht zu teuer, "sondern ich sehe meine Aufgabe und Verpflichtung darin, dafür zu sorgen, dass mit dem Geld der Versicherten sorgsam und effizient gewirtschaftet wird". Die Österreicher würden die beste gesundheitliche Versorgung und zwar unabhängig, von Einkommen, Geschlecht und Alter verdienen.

Auch die WGKK ging in die Offensive. Obmann Franz Bittner versicherte, dass seine Anstalt günstiger arbeite als die SVA. Für deren "deutlich schlechtere Performance" seien die SVA-Obmänner, Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl und Wirtschaftsbund-Generalsekretär Karl-Heinz Kopf, verantwortlich. Im Bereich des Ärzte-Gesamtvertrages "kaufen sie die gleiche Leistung um 76 Prozent teurer als die WGKK". Diese Parteifreunde Rauch-Kallats würden extrem ineffizient verhandeln und wirtschaften, so Bittner: "Dass die Präsidenten im Hauptverband bei der Beurteilung von Verträgen offensichtlich mit zweierlei Maß messen, ist für mich zumindest ein Fall für die Aufsichtsbehörde."

Empörte Reaktionen waren die Folge: Kopf sprach von "abstrusen Schutzbehauptungen" Bittners, ortete ein bevorstehendes "Finanzfiasko" bei der WGKK und verwies auf deren Defizit von 245 Millionen Euro. SVA-Generaldirektor Stefan Vlasich betonte die positive Gebahrung seit 1990, man zähle zu den sparsamsten Versicherungsinstituten. Bei der WGKK ortete er eine "Milchmädchenrechnung, die nicht nachvollziehbar ist". (APA)

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