Erster Freilandversuch mit Gen-Weizen

14. April 2004, 11:21
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Magdeburg - Der in Deutschland erste Freilandversuch mit gentechnisch verändertem Weizen ist am Dienstag auf einem Versuchsfeld in Sachsen-Anhalt gestartet. Der Schweizer Saatgut-Konzern Syngenta begann mit der Aussaat des Getreides, das einen verstärkten Schutz gegen Pilzbefall aufweist, wie ein Firmensprecher in Magdeburg sagte. Von dem Projekt gehen nach seiner Darstellung keine Risiken für Mensch und Tier aus. Zu Monatsbeginn hatte das seit April zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit den Versuch genehmigt.

Die Aussaat bei Bernburg wurde von einem Polizeiaufgebot von rund 30 Beamten bewacht, "um mögliche Störungen zu vermeiden", wie ein Polizeisprecher sagte.

Protestaktion

Vor zwei Wochen hatten 130 Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace mehrere Tonnen Öko-Weizen auf die zwei Versuchsfelder gesät, um den Boden für die Tests unbrauchbar zu machen. Bei einer Fläche sei das gelungen, teilte Syngenta-Sprecher Rainer Linneweber mit: "Die Schäden hier sind massiv." Eigentümer des Ackers sei die örtliche Agrargenossenschaft. Die Fläche der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau dagegen sei noch zu retten gewesen. Sie sei rund 450 Quadratmeter groß. Mit der ersten Ernte des gegen Pilzbefall resistenten Weizens rechne man Ende September.

Gegen Greenpeace will Sachsen-Anhalt juristisch vorgehen. Umweltministerin Petra Wernicke (CDU) kündigte eine Strafanzeige wegen Landfriedensbruchs an. Greenpeace habe Faustrecht angewandt, sei auf fremdes Eigentum eingedrungen und habe Schaden angerichtet, so auf rund 20 Hektar in der Nachbarschaft, die mit Raps bestellt waren. Bereits im Vorjahr hatte das Schweizer Unternehmen nach einer ähnlichen Greenpeace-Aktion auf einen geplanten Versuch im thüringischen Gotha verzichtet.

"Offensive" und Kritik

Sachsen-Anhalt will als erstes Bundesland auch Gen-Mais in großem Stil anbauen und startete dazu im vergangenen November eine "Biotechnologie-Offensive". Wirtschaftsminister Horst Rehberger kündigte an, dafür in den kommenden fünf Jahren mehr als 100 Millionen Euro zur Unterstützung von Forschung und Wirtschaft bereitzustellen. Gefragt seien praktische Erfahrungen. Eine Technologie zu verteufeln, sei der falsche Weg, sagte der FDP-Politiker.

Umweltschützer und Bio-Bauern hatten bereits vor Wochen ein Aktionsbündnis "Keine Gentechnik auf Sachsen-Anhalts Feldern" gegründet. Sie fordern einen Volksentscheid und verweisen auf eine Emnid-Studie vom November 2003, in der sich 72 Prozent der Menschen in Deutschland gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel ausgesprochen hätten. (APA/AP)

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