HVB bleibt lieber allein

6. April 2004, 19:03
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Hypovereinsbank-Chef erteilt nach der Kapitalerhöhung rascher Fusion eine Absage, bekräftigt aber aktive Rolle der Bank im Fall einer Branchenkonsolidierung

München - Gestärkt durch ihre milliardenschwere Kapitalerhöhung will die HypoVereinsbank (HVB), Mutter der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), zunächst eigenständig bleiben. Die Kapitalerhöhung sei nun mit dem erstmaligen Handel der neuen Aktien erfolgreich abgeschlossen worden, teilte die HypoVereinsbank am Dienstag mit.

Vorstandschef Dieter Rampl sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagausgabe), das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut wolle in jedem Fall vorerst einmal alleine weiter machen und sich auf die Steigerung der Erträge konzentrieren.

Der HVB-Aktienkurs sank nach dieser Absage an eine rasche Fusion oder Übernahme um zwischenzeitlich gut ein Prozent auf 16,70 Euro. Aktienexperte Christian Schmidt von der Helaba sagte: "Die Fantasie über Fusionen ist nun erst einmal weg."

Fusionsfieber angeheizt

In den vergangenen Monaten hatte Rampl das Fusionsfieber in der deutschen Bankenbranche immer wieder angeheizt. Nun verwies er auf die Schwierigkeiten einer möglichen Groß-Fusion.

Ein Großteil der Mitarbeiter sei dann erst einmal mit dem Zusammenschluss beschäftigt. "Dabei gerät das Kundengeschäft leicht in den Hintergrund. Wir verfügen in dieser Hinsicht über hinreichend Erfahrung, um sehr vorsichtig zu sein mit Blick auf alle Konsolidierungsüberlegungen." Falls es aber einmal zu einer Branchenkonsolidierung kommen sollte, wolle die HVB eine aktive Rolle spielen.

Mit der Kapitalerhöhung hat sich die HVB rund 3 Mrd. Euro frisches Geld beschafft, gut 214 Millionen Jungaktien waren zum Stückpreis von 14 Euro ausgegeben worden. Die Bezugsquote für die neuen Aktien lag bei 99,89 Prozent.

Hohe Nachfrage

Die Platzierung sei insgesamt auf hohe Nachfrage gestoßen, wobei Investoren außerhalb Deutschlands besonders reges Interesse gezeigt hätten. "Die Resonanz war erfreulich", sagte Rampl.

"Wir setzen das Geld in erster Linie zur Stärkung unserer Eigenkapitalbasis ein und schaffen damit die Grundlage für künftiges Wachstum." Es bleibe jetzt gut eine Milliarde Euro, um weiteres Geschäft aufzubauen und mittelfristig eine Eigenkapitalquote von mehr als 7 Prozent zu halten.

Von ihren Aktionären will sich die HypoVereinsbank auf der Hauptversammlung Ende April zur Ausgabe von bis zu 330 Millionen weiterer Aktien ermächtigen lassen. Nach Angaben der HVB handelt es sich um einen Vorratsbeschluss.

"Konkrete Pläne"

"Konkrete Pläne stehen nicht dahinter", betonte Rampl. Interesse bekundete der HVB-Boss an einer weiteren Expansion auf dem Wachstumsmarkt in Osteuropa, wo die HypoVereinsbank über ihre Wiener Tochter BA-CA bereits deutlich stärker engagiert ist als andere deutsche Großbanken.

In dem Interview stellte Rampl klar, dass die HVB zunächst nicht mit einer anderen Bank zusammengehen wolle. "Wir wollen unseren Aktionären beweisen, dass wir nachhaltig Geld verdienen können."

"Beispielloser Konzernumbau"

Rampl verwies darauf, dass die HVB 2003 "parallel zu einem wohl in der Bankbranche beispiellosen Konzernumbau" die Ertragskraft um 1,5 Milliarden Euro gesteigert habe. 2004 strebt die HVB eine weitere Steigerung des operativen Gewinns auf 1,4 bis 1,7 Mrd. Euro an, nach - vergleichbar gerechnet - 896 Mio. Euro im Vorjahr.

Unterm Strich hatte die Bank 2003 allerdings 2,6 Mrd. Euro Verlust geschrieben, mit enormen Abschreibungen (vor allem auf die BA-CA) war die Bilanz bereinigt worden. (APA/dpa/Reuters)

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