EU-Experte: Europa braucht mehr Zuwanderer

18. April 2004, 19:33
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Angst vor Massenansturm aus Osteuropa und Abschottung der Märkte unbegründet

Brüssel - Die Europäische Union braucht nach Ansicht von Arbeitsmarktexperten mittel- und langfristig Zuwanderer. "Europa wird wegen seiner Bevölkerungsentwicklung in den nächsten 25 Jahren einen steigenden Bedarf an ausländischen Arbeitskräften haben", sagte der Direktor der Europäischen Stiftung für Berufsbildung, Peter de Rooij, am Dienstag in Brüssel. Daher wäre es vernünftig, wenn die EU-Staaten dies bei Maßnahmen zur Abschottung ihrer Arbeitsmärkte bereits heute berücksichtigten.

Übergangsfristen mehrfach unbegründet

Die von den derzeitigen Mitgliedstaaten durchgesetzten Übergangsfristen für Jobsuchende aus den osteuropäischen Beitrittsländern sind nach Ansicht von Rooij mehrfach unbegründet. Steigende Beschäftigungsraten werde es eher in den Beitrittsstaaten als in den EU-15 geben, erwartet der Experte. "Obwohl die Arbeitslosigkeit in vielen neuen Mitgliedstaaten noch immer hoch ist, sind Wachstum und Investitionen in die Bildung deutlich höher als in den Staaten der heutigen Europäischen Union. Zudem werden mit den letzten im Mai abgebauten Handelsbarrieren die ausländischen Direktinvestitionen in der Region weiter zunehmen." Die Beitrittsstaaten profitierten vor allem in Investitionen in ihre Bildungssysteme.

Für Massenwanderungen fehlt Tradition

Zum anderen verweist Rooij auf die fehlende Tradition von Massenwanderungen in Europa. Dies habe sich auch bei den EU-Beitritten Griechenlands 1981 und Portugals 1986 gezeigt. Die einzig große Migrationsbewegung habe es in den 50er-Jahren bei der Zuwanderung von Arbeitern aus Südeuropa und der Türkei gegeben.

Freizügigkeit innerhalb der erweiterten EU von 25 Staaten würde zwar "zu einem gewissen brain-drain" (Abwanderung von qualifizierten Arbeitskräften) in den zehn Beitrittsstaaten führen, sagte der Experte. Dies würde aber durch mehr Investitionen der EU-15 in den neuen Mitgliedsländern kompensiert. Rooij erwartet, dass es im Zuge der Erweiterung zwischen Deutschland und Österreich einerseits und Polen, Ungarn und Tschechien andererseits eher zu einem stärkeren grenzüberschreitenden Pendlerverkehr kommt als zu einer dauerhaften Abwanderung von Arbeitnehmern. (APA)

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