Stabilität der Finanzmärkte gefährdet

20. April 2004, 10:37
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Der Internationale Währungsfonds sieht die Märkte zwar erholt, mahnt die G-7 zur Einheit

Washington - Die internationalen Finanzmärkte haben sich nach einer neuen Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) erholt. Bestehende Ungleichgewichte könnten die Stabilität aber gefährden, heißt es im "Global Financial Stability Report", der am Dienstag in Washington veröffentlicht wurde.

Der IWF mahnte die großen Industrieländer (G-7) zur Einheit. "Anzeichen von Meinungsverschiedenheiten unter den größten Ländern könnte die Balance stören." Die Finanzorganisation rechnet über kurz oder lang weltweit mit höheren Leitzinsen. Der Übergang zu höheren Zinsen müsse vorsichtig gestaltet und Missverständnisse vermieden werden, die zu Überreaktionen an den Märkten führen könnten.

Sorge um US-Kapitalflüsse

Ein Unsicherheitsfaktor für die Stabilität der Finanzmärkte sei die Sorge auf den Kapitalmärkten, ob die erheblichen Kapitalflüsse in die USA aufrechterhalten werden können. Dies habe den Dollar bereits geschwächt. Die Dollarabwertung verlaufe zwar in geordneten Bahnen, doch könnten Investoren bei ersten Risiko-Anzeichen eine Prämie auf Dollarvermögen verlangen, was Anleiherenditen in die Höhe drücken und Anstrengungen von Finanzinstitutionen zur Verbesserung ihrer Bilanzen erschweren würde.

Als zweiten Faktor nennt der IWF die größere Rolle von Versicherungen und Fondsgesellschaften auf den Finanzmärkten. Dass Risiken nicht mehr fast ausschließlich von Banken getragen werden, sei zu begrüßen, doch sei der Nichtbankensektor weniger transparent und reguliert. Der IWF wirft die Frage auf, ob diese Marktteilnehmer ein gesundes Risikomanagement betreiben. "Lücken in Regulierung und Aufsicht könnten die Versuchung schaffen, dies auszunutzen", schreibt der IWF. Er schlägt eine stärkere Überwachung dieser Marktteilnehmer mit Blick auf ihr Risikomanagement vor.

Pensionsfonds und Lebensversicherer stabilisieren

Die Rolle von Pensionsfonds und Lebensversicherern als Investoren in aufstrebenden Märkten begrüßt die Finanzinstitution. Weil es sich um langfristige Anleger handle, stabilisiere dies die Kapitalflüsse und sei ein willkommenes Gegengewicht zu den oft kurzfristigen Aktivitäten etwa von Risikofonds (hedge funds) "und anderen opportunistischen Investoren". Risiko sei ein möglicher Herdentrieb unter Investmentmanagern, die immer darauf achteten, keine schlechtere Rendite als ihre Konkurrenz zu erwirtschaften. (APA/dpa)

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