Wurzeln des Hasses gehen bis in die Kolonialzeit zurück

9. April 2004, 19:15
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Ursprünglich standen die Bezeichnungen Tutsi und Hutu für politische und soziale Zugehörigkeit - ein Abriss

Bern - Der Völkermord von 1994 in Ruanda hat eine lange Vorgeschichte, die bis in die Kolonialzeit zurückgeht. Vor dem Genozid standen die Bezeichnungen Hutu und Tutsi für politische und soziale Zugehörigkeit: Die königsnahen Tutsi waren Herdenbesitzer, die Hutu einfache Ackerbauern.

1918: Nach dem ersten Weltkrieg müssen die Deutschen Ruanda an Belgien abtreten.

30-er-Jahre: Die Belgier beherrschen das Land, indem sie die Minderheit der Tutsi privilegieren. Die Kolonialherren tragen die Bezeichnungen "Hutu" und "Tutsi" in die Pässe ein und verbriefen so eine ethnische Trennung zwischen den angeblichen Volksgruppen.

50er-Jahre: Welle der Unabhängigkeitsbewegungen in Afrika, auch die gut ausgebildeten Tutsi wollen daran teilhaben. Die Belgier ändern ihre Strategie, bevorzugen die fügsameren Hutu und hetzten diese gegen die Tutsi auf.

1959: Ein Bauernaufstand bricht aus. In einer Serie von Pogromen werden gegen 20.000 Tutsi getötet, 300.000 fliehen in die Nachbarländer. Die Hutu übernehmen die Macht.

1962: Ruanda erlangt die Unabhängigkeit. Erster Präsident wird der Hutu Gregoire Kayibanda.

1963-65: Aus dem benachbarten Burundi schlagen die Tutsi zu einem Gegenangriff los. Die Hutu-Armee kann diese stoppen und massakriert als Vergeltung zwischen 20.000 und 50.000 Tutsi.

1973: Der Chef der ruandesischen Armee, General Juvenal Habyarimana. putscht sich an die Macht. Er errichtet eine Diktatur.

1990: Englisch sprechende Nachkommen der Tutsi-Flüchtlinge in Uganda gründen die Patriotische Front Ruandas (FPR). Am 30. September startet sie einen Überraschungsangriff auf die Machthaber in Kigali. Präsident Habyarimana kann die Partisanen nur mit Hilfe von Frankreich zurückschlagen.

Er steht unter Druck, ein Mehrparteiensystem einzuführen. Neue Parteien entstehen, darunter die ideologisch geschulte paramilitärische Massenbewegung "Interahamwe" ("Schlagen wir gemeinsam zu").

1993: Habyarimana unterzeichnet einen Friedensvertrag mit der FPR. Diese soll in die Regierung und das Parlament integriert werden. Die UNO-Mission für Ruanda (UNAMIR) mit 2500 Blauhelmen wird eingesetzt. Tutsi-Soldaten ermorden Burundis ersten demokratisch gewählten Präsidenten, den Hutu Melchior Ndadaye.

10. Jänner 1994: UNAMIR-Leiter Romeo Dallaire warnt das UNO-Hauptquartier vor einem drohenden Völkermord. Seine Hilferufe bleiben in New York offenbar ungehört.

6. April 1994: Das Flugzeug von Präsident Habyarimana wird bei der Landung in Kigali mit einer Rakete abgeschossen. Dies wird als Signal für den Beginn des Genozids an den Gegnern des Regimes angesehen.

7. April 1994: Die Interahamwe-Milizen beginnen mit systematischen Massakern in Kigali, die sich aufs ganze Land ausbreiten. Ministerpräsidentin Agathe Uwilingiyamana und zehn belgische Blauhelme, die sie schützen wollten, werden ermordet.

14. April 1994: Belgien zieht seine Truppen aus der UNAMIR zurück.

22. April 1994: Die UNO zieht ihre Truppen bis auf 270 Blauhelme ab.

12. Mai 1994: Der UNO-Menschenrechtskommissar bezeichnet die Massaker in Ruanda als "Genozid".

4. Juli 1994: Die FPR marschiert siegreich in Kigali ein.

18. Juli 1994: Die FPR erklärt das "Ende des Krieges". (APA/sda)

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