Chaos nach Flugzeug-Katastrophe in Mailand im Oktober 2001

7. April 2004, 09:29
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Fluglotsen hätten über zwei Minuten nichts vom Unfall bemerkt

Bei der Flugzeug-Katastrophe mit 118 Toten auf dem Mailänder Flughafen Linate im Oktober 2001 herrschte laut italienischen Medienberichten zunächst Chaos im Kontrollturm. Die Fluglotsen hätten über zwei Minuten nach dem Zusammenstoß zweier Maschinen im dichten Nebel auf der Startbahn nichts vom dem Unfall bemerkt. Erst ein Pilot, der nicht in den Unfall verwickelt war, habe sie auf die Katastrophe aufmerksam gemacht, berichteten italienische Zeitungen am Dienstag unter Berufung auf eine Tonbandaufnahme der Towergespräche.

Witze über lautes Geräusch

Fluglotsen hätten sogar zunächst Witze über ein lautes Geräusch gemacht, dass sie gehört hätten. "Ich habe ein Geräusch gehört, als hätte jemand den Kopf unseres Schichtführers gegen Glas geschlagen", habe eine Beschäftigter im Kontrollturm gesagt, schreibt die Zeitung "La Repubblica". Das Tonband habe der italienische Privatsender Italia 1 verbreitet.

Bei dem Unfall war eine startende Passagiermaschine der skandinavischen Gesellschaft SAS mit einem deutschen Kleinflugzeug zusammengestoßen und anschließend gegen einen Gepäckhangar geprallt. In beiden Flugzeugen überlebte niemand das Unglück.

Staatsanwaltschaft fordert drei bis acht Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft hatte kürzlich für zwei Direktoren des Flughafens, den damaligen Chef der Flugaufsichtsbehörden und für einen Fluglotsen Haftstrafen zwischen drei und acht Jahren gefordert. Sie hätten fahrlässig gehandelt. Der Kontrollturm habe dem Piloten des Kleinflugzeuges falsche Befehle gegeben. Außerdem habe das Bodenradar nicht funktioniert. Ein Urteil wird in Kürze erwartet. (APA/dpa)

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