Ruanda: Der Horror ist noch nicht vorbei

22. April 2004, 20:38
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Hunderttausende Vergewaltigungen während des Völkermordes 1994 - Traumata und Aids als Folgen

Wien - Zwischen April und Juli 1994 war Ruanda Schauplatz einer unvorstellbaren Menschenrechtstragödie, der bis zu einer Million Menschen zum Opfer fielen: Massenmorde an unbewaffneten ZivilistInnen, Vergewaltigungen und zahlreiche andere Formen der Folter standen für vier Monate auf der Tagesordnung.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen fanden während des Völkermordes zwischen 250.000 und 500.000 Vergewaltigungen statt. Die Opfer waren nicht nur körperlicher Gewalt, sondern auch systematischer Erniedrigung ausgesetzt. So wurden z.B. Frauen von Soldaten und Militärs dazu gezwungen, nackt vor ihnen zu parodieren oder verschiedene demütigende Handlungen auszuführen.

Hunderttausende Frauen, die während des grauenhaften Völkermordes systematisch vergewaltigt wurden, müssen nicht nur mit ihren eigenen traumatischen Erfahrungen und ihren Erinnerungen an unmenschlichste Brutalität fertig werden - viele von ihnen wurden mit sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV/AIDS infiziert und haben keine Hoffnung auf Gerechtigkeit, Entschädigung und medizinische Behandlung.

Eine Betroffene berichtet

Francine, 39 Jahre, fünf Kinder, lebt in Kigali und ist HIV positiv: "Die Soldaten haben mir versprochen, mich zu beschützen. Stattdessen brachten sie mich in ihr Haus und vergewaltigten mich. Ein Soldat durfte mich immer für zwei bis drei Tage behalten, dann wurde ich an die anderen weiter gereicht. Immer wenn herumziehende Mörder zu ihren Häusern kamen, sagten die Milizen, dass ich ihre Schwester sei. Ich musste bei diesen Männern bleiben, sonst wäre ich umgebracht worden. Unter diesen Umständen war die Gefahr einer HIV-Infektion natürlich sehr groß. Ich schaffte es dann, aus Kigali zu fliehen. Als ich wieder zurückkam, erfuhr ich, dass mein Mann umgebracht worden war. Er war Hutu und hatte für mich einen Hutu-Personalausweis organisiert, um mich zu beschützen. Dieser Ausweis bewirkte, dass man mir Hilfe von IBUKA (Hilfsorganisation für Überlebende des Völkermordes) für meine Kinder verweigerte und ich keine Unterstützung seitens des Regierungsfonds für Überlebende des Völkermordes erhielt".

forderung von amnesty international

ai fordert den ruandischen Staatspräsidenten auf, all die während des Völkermordes Opfer von Vergewaltigungen und anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit geworden sind, Entschädigung und Hilfe zukommen zu lassen und die Täter endlich zur Verantwortung zu ziehen. Denn für Tausende der Überlebenden und Opfer des Völkermordes dauert der Horror des Krieges an, solange sie auf Wiedergutmachung und Gerechtigkeit warten müssen. (red)

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    250.000 und 500.000 Vergewaltigungen soll es in diesem kurzen Zeitraum gegeben haben, schätzt die UNO.
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